Ärzte Zeitung online, 13.11.2011

Robert-Koch-Preis für Enträtselung der Abläufe bei Infektionen

Professor Jorge Galán aus New Haven hat geklärt, wie Bakterien ihre Proteine in menschliche Zellen einschleusen. Unter anderem für diese Forschungsarbeiten hat er jetzt den mit 100.000 Euro dotierten Robert-Koch-Preis bekommen.

BERLIN (eb). Die Robert-Koch-Stiftung hat den mit 100.000 Euro dotierten Robert-Koch-Preis 2011 an den Mikrobiologen Professor Jorge Galán aus New Haven, USA, verliehen.

Mit der Robert-Koch-Medaille in Gold wurde der Biochemiker Professor Ernst-Ludwig Winnacker aus Straßburg ausgezeichnet.

Die Preise überreichte Staatssekretärin Annette Widmann-Mauz in der Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften in Berlin.

Wie schleusen Keime ihre Proteine in Menschenzellen?

Professor Jorge Galán, der den Lehrstuhl der Abteilung Microbial Pathogenesis des Boyer Center for Molecular Medicine der Yale School of Medicine in New Haven innehat, erhielt den Preis für seine Forschungsbeiträge zur Molekularanalyse der Infektionsmechanismen sowie für seine maßgebliche Beteiligung an der Etablierung des Forschungszweiges der zellulären Mikrobiologie, teilt die Stiftung mit.

Galán arbeitet an der Aufdeckung der Vorgänge, mit denen zahlreiche pathogene Bakterien ihre Proteine in die Zellen von Menschen, Tieren, Pflanzen und Insekten einschleusen und anschießend deren Funktion verändern.

Mit diesen Mechanismen sichern die Bakterien ihr Überleben und lösen gleichzeitig beim Wirt eine Infektionskrankheit aus.

In diesem Zusammenhang untersuchen Galán und seine Mitarbeiter besonders die beiden Darmbakterien Salmonella enterica und Campylobacter jejuni, die am häufigsten beim Menschen eine infektiöse Diarrhö verursachen und dadurch weltweit für geschätzte 2.000.000 Todesfälle jährlich verantwortlich sind.

Ziel ist die Entwicklung neuer Therapien

Die infektiösen Mechanismen werden von der Arbeitsgruppe multidisziplinär mit genetischen, zellbiologischen und immunologischen Methoden untersucht.

Eine der Entdeckungen des Wissenschaftlers sei der Nachweis gewesen, dass eine spezialisierte Organelle (Bereich einer Zelle mit einer besonderen Funktion) in Salmonella enterica die Aufgabe hat, bakterielle Proteine in die Wirtszelle einzuschleusen, so die Stiftung.

Mit diesen grundlegenden Arbeiten wollen die Wissenschaftler die Mechanismen verstehen, mit denen auch viele andere Bakterien Infektionskrankheiten wie Typhus, Cholera und Lebensmittelvergiftungen verursachen.

Letztendlich ist es das Ziel, über die Aufdeckung dieser molekularen Vorgänge neue therapeutische Strategien zur Bekämpfung dieser Krankheiten zu entwickeln.

Beitrag zur Entwicklung der Gentechnik

In Würdigung seines Lebenswerks wurde Professor Ernst-Ludwig Winnacker, derzeitiger Generalsekretär der "International Human Frontier Science Program Organization (HFSPO)" in Straßburg, Frankreich, mit der Medaille in Gold geehrt.

Winnacker trug mit seinen Forschungsarbeiten zur Beschreibung von Lebensprozessen auf molekularer Ebene und damit zur Entwicklung der Molekularbiologie und Gentechnik bei.

Er nahm durch seine langjährige Mitgliedschaft in zahlreichen unterschiedlichen wissenschaftlichen Gesellschaften und Gremien Einfluss auf die internationale Forschung im Bereich der Lebenswissenschaften und auch auf politische Entscheidungen auf diesem Gebiet.

Im Rahmen dieser Tätigkeiten habe er wertvolle Impulse für eine nachhaltige Entwicklung des Wissenschaftssystems in Deutschland und Europa gegeben, berichtet die Stiftung.

Einsatz für Wissenschaft ohne Grenzen

Der ehemalige, in Frankfurt am Main geborene langjährige Präsident der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG), hat sich in dieser Funktion besonders um die Förderung junger Wissenschaftler verdient gemacht.

Zudem habe Winnacker die Exzellenz-Initiative mit auf den Weg gebracht, welche die deutsche Hochschullandschaft in den letzten Jahren maßgeblich verändert hat, so die Stiftung.

Winnacker setze sich besonders für eine Wissenschaft ohne Grenzen ein, bei der nationale Egoismen überwunden werden müssen.

Der jährlich verliehene Robert-Koch-Preis zählt zu den höchstrangigen wissenschaftlichen Auszeichnungen in Deutschland. Die Stiftung, die unter der Schirmherrschaft des Bundespräsidenten Christian Wulff steht, fördert die Grundlagenforschung auf dem Gebiet der Infektionskrankheiten und anderer, weit verbreiteter Krankheiten.

Der Forscher, nach dem der Preis benannt ist, hat die moderne Bakteriologie begründet. Robert Koch (1843 bis 1910) erhielt dafür im Jahr 1905 den Nobelpreis für Medizin und Physiologie.

Postdoktorandenpreise für junge Wissenschaftler

Die mit je 5000 Euro dotierten Postdoktorandenpreise der Robert-Koch-Stiftung für herausragende Arbeiten des wissenschaftlichen Nachwuchses wurden während des Festakts ebenfalls verliehen.

Den Postdoktorandenpreis für Virologie erhielt Dr. Lars Dölken aus München für seine Untersuchungen zur Persistenz von Viren in Wirtszellen. Dr. rer. nat. Cynthia Sharma aus Würzburg bekam den Preis für Mikrobiologie in Anerkennung ihrer Arbeiten zur Genregulation in pathogenen Bakterien.

Dr. rer. nat. Cécilia Chassin aus Hannover wurde mit dem Preis für Immunologie für ihre Untersuchungen zur Analyse der angeborenen Immunantwort ausgezeichnet.

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