Ärzte Zeitung online, 27.12.2011

Patienten setzen auf Antibiotika statt Bettruhe

HANNOVER (cben). In Niedersachsen werden besonders viele Antibiotika verschrieben. Das hat die Techniker Krankenkasse (TK) errechnet.

Aus dem TK-Gesundheitsreport Niedersachsen 2011 geht hervor, "dass die verschriebene Menge Antibiotika in Niedersachsen 2010 mit 5,7 Tagesdosen pro Patient und Kalenderjahr mehr als zehn Prozent über dem Bundesdurchschnitt lag", teilte die Kasse mit.

2006 wurden pro Patient und Kalenderjahr in Niedersachsen durchschnittlich 4,9 Tagesdosen verordnet. "Das entspricht in nur vier Jahren einem Anstieg von mehr als 16 Prozent", hieß es.

Unzufrieden mit Hausmitteln

Hauptgrund für die Bildung von Resistenzen sei die "unkritische Verschreibung von Antibiotika," so die TK.

"Es ist aber auch immer wieder ein Problem, dass viele Patienten sich nur dann gut behandelt sehen, wenn ihnen der Arzt auch etwas verschreibt", sagt Sabine Voermans, Leiterin der TK-Landesvertretung Niedersachsen.

"Mit der Empfehlung von alten Hausmitteln oder simpler Bettruhe geben sich viele Patienten nicht zufrieden."

Nach Angaben der TK ist der MRSA-Erreger heute zu 77 Prozent gegen Penizillin resistent. Die TK beruft sich auf aktuelle Zahlen des niedersächsischen Landesgesundheitsamts.

[28.12.2011, 17:03:42]
Dr. Thomas Georg Schätzler 
"Dosenöffner" für den TK-Gesundheitsreport Niedersachsen?
Man sollte jemanden fragen, der sich damit auskennt: Überdurchschnittlich "5,7 Tagesdosen pro Patient und Kalenderjahr" könnte auch bedeuten, dass in Niedersachsen seltener relativ teures Azithromycin 500 mg für 3 Tage verordnet wird. Sondern die Kollegen/-innen dort aus Budgetgründen und Regressangst eher auf billigere und dafür mit 7-10 "Tagesdosen" l ä n g e r anzuwendende Antibiotika wie Penicillin, Amoxicillin, Cotrim Forte, Doxycyclin, Erythromycin ausweichen.

Wie entlarvend! Laut "TK ist der MRSA-Erreger heute zu 77 Prozent gegen Penizillin resistent". Die Ersatz(kassen)-Infektiologen haben dabei sicher übersehen, dass Staphylokokken das Penicillin schon immer durch Penicillase inaktivieren können: Z. B. Penicillin-resistente, Methicillin-sensible Staphylococcus aureus (MSSA)-Stämme.

Aktuelle infektiologische K e r n probleme sind dagegen "im Hospitalbereich ... bevorzugt epidemisch Staphylococcus aureus Methicillin(Oxacillin)-resistente (MRSA)"-Bakterien. D i e s e "sind resistent gegen alle Betalaktame u n d ... zu 70% gleichzeitig resistent gegen Erythromycin, > 90 % resistent gegen Chinolone und > 65 % resistent gegen Clindamycin (LMS-Kreuzresistenz). Mittel der Wahl sind Glykopepetide (Vancomycin, Teicoplanin), Streptogramine oder das Oxazolidinon Linezolid".
http://www.infektliga.de/mikrobiologie/bakterien/resistenzen/

Liebe infektiologischen TK-Strategen, merken Sie was? Das Wort Penicillin taucht bei MRSA-Therapie deswegen n i c h t auf, weil man es wegen garantierter Wirkungslosigkeit von vorn herein 'knicken' kann! Wenn schon "Tagesdosen" bei Antibiotika, diese auch "öffnen" und nachschauen, was tatsächlich drin ist. Mf+kG, Dr.med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund

 zum Beitrag »

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text
Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Langes Arbeiten kann tödlich sein

Eine lange Wochenarbeitszeit erhöht das Risiko für Herzerkrankungen und Krebs. Forscher konnten die Stundenzahl sogar exakt angeben, ab der sich das Risiko stark erhöht. mehr »

Ausschuss reißt Frist des Gesetzgebers

Das neue Qualitätsmaß für Pflegeheime gerät in Verzug. Eine Studie bietet eine Alternative an. mehr »

Jeder dritte Demenz-Fall vermeidbar

Finge die Demenz-Prävention bereits in der Kindheit an, könne die Krankheit bei einem Drittel aller Erwachsenen verhindert werden – so eine Studie. mehr »