Ärzte Zeitung online, 29.12.2011

Immunzellen machen Lymphknoten dick

Forscher aus Hannover haben eine unerwartete neue Funktion von dendritischen Zellen entdeckt: Diese Immunzellen bestimmen offenbar, wie stark Lymphknoten etwa bei Infektionen anschwellen.

NEU-ISENBURG (eb). Dendritische Zellen (DCs) sind wichtige Zellen des Immunsystems und in vielen Organen vorhanden - vor allem in der Haut und in Schleimhäuten. Dort bilden sie mit bis zu 1000 Zellen pro Quadratmillimeter ein wahrhaft dichtes und engmaschiges Netzwerk, das Krankheitserreger nicht unbemerkt überwinden können.

Dringen die Erreger ein, alarmieren DCs das Immunsystem. Die DCs nehmen die Erreger in sich auf, zerstören sie und wandern anschließend in Lymphknoten, wo sie anderen Immunzellen die Abbauprodukte der Keime präsentieren.

Ziel dieser Präsentation ist es, eine schützende Immunantwort auszulösen. Für diese Erkenntnisse erhielt der Entdecker der DCs, der Immunologe Professor Ralph Steinman aus New York, in diesem Jahr posthum den Nobelpreis für Physiologie oder Medizin.

Forscher des Instituts für Immunologie der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) haben nun eine weitere, vollkommen unerwartete Funktion der DCs gefunden: Sie fanden heraus, dass diese Zellen festlegen, wie viele Immunzellen sich in einem Lymphknoten aufhalten. Somit bestimmen DCs, wie dick Lymphknoten anschwellen (Immunity 2011; 35/6: 945-957).

Zugang zu Lymphknoten wird kontrolliert

"Nachdem DCs in einen Lymphknoten eingewandert sind, bilden sie Wachstums- und Differenzierungsfaktoren für Blutgefäße, die zur Ausbildung so genannter hoher endothelialer Venolen (HEVs) benötigt werden", wird Dr. Meike Wendland vom Institut für Immunologie in einer Mitteilung der MHH zitiert.

Da Immunzellen aus dem Blut ausschließlich über diese Blutgefäße in den Lymphknoten gelangen, regulierten DCs somit, wie vielen Zellen Zugang gewährt wird. Darüber hinaus stimulierten DCs im Lymphknoten die Produktion eines Lockstoffs, den sie an sich binden.

So lockten sie Lymphozyten an, die sich dann länger im Lymphknoten aufhielten, so Professor Reinhold Förster, Leiter der Studie und Direktor des Instituts.

Mit Hilfe dieser neuen Erkenntnisse sollte es künftig möglich sein, das Einwandern von Immunzellen über HEVs in Gewebe und deren Verweildauer besser zu kontrollieren.

Dies ist zum Beispiel bei Autoimmunerkrankungen wie rheumatoider Arthritis von Interesse. Bei dieser Erkrankung wandern Immunzellen ständig über HEVs in die Gelenkkapseln ein und zerstören so den Gelenkknorpel.

"Ein Rückbilden der HEVs wäre daher bei dieser und auch anderen Autoimmunerkrankungen von hohem Interesse", wird Förster zitiert. Im Gegensatz dazu sei es wünschenswert, dass sich in Tumoren solche Gefäße in hoher Anzahl bilden.

So könnten Killerzellen einwandern, dort lange verweilen und die entarteten Zellen zerstören. Die DCs sind nach Angaben von Förster als Regulatoren der HEV-Differenzierung ein neuer möglicher Ansatzpunkt zur Behandlung von Patienten mit solchen Erkrankungen.

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