Ärzte Zeitung, 30.04.2012

Del-1-Mangel Ursache für Parodontitis

Ein internationales Forscherteam hat einen neuen Therapieansatz für die Behandlung bei chronischentzündlichen Krankheiten wie Parodontitis entdeckt.

LEIPZIG (eb). Professor Triantafyllos Chavakis von der Medizinischen Klinik und Poliklinik III des Universitätsklinikums Carl Gustav Carus Dresden sowie vom Institut für Physiologie der Medizinischen Fakultät der TU Dresden entdeckte im Verbund mit internationalen Forschern die Ursache für Parodontitis, die vor allem ältere Menschen trifft und die einen entscheidenden Einfluss auf die allgemeine Gesundheit hat.

Demnach ermöglicht die verringerte Bildung eines Proteins den Entzündungsprozess (Nature Immunology 2012; 13: 465-473).

Die meisten Erwachsenen leiden an Parodontitis, einer chronischen Entzündung des Zahnhalteapparates. Etwa zehn bis 15 Prozent der Betroffenen haben eine schwere Form der Krankheit, teilt das Universitätsklinikum in Dresden mit.

Parodontitis führe langfristig zu Knochenverlust, außerdem erhöhe die Krankheit das Risiko für Diabetes, chronische Lungenerkrankungen, Atherosklerose, und möglicherweise auch für rheumatische Arthritis.

Das Team um Chavakis hat nun gemeinsam mit dem Team von Professor George Hajishengallis von der University of Louisville im Tiermodell herausgefunden, dass Parodontitis mit einer verringerten Bildung des Glykoproteins Del-1 verbunden ist.

Gabe von Del-1 gegen Knochenverlust

"Mit zunehmendem Alter erhöht sich die Anfälligkeit für chronische Entzündungen wie zum Beispiel Parodontitis", wird Chavakis in der Mitteilung zitiert.

Bei dieser Entzündung wandern neutrophile Leukozyten aus der Blutbahn an den Entzündungsherd. Diese Entzündungsreaktion wird durch eine komplexe Kaskade von weiteren Prozessen angetrieben.

Die Forscher fanden heraus, dass das Protein Del-1 die Adhäsion der neutrophilen Leukozyten an das Endothel verhindert. Die Herunterregulation von Del-1 im Maus- sowie im humanen Periodontium ermöglicht die Entzündungskaskade.

Bislang war viel über Prozesse bekannt, die zur Leukozytenadhäsion führen, aber wenig über körpereigene Prozesse, die die Leukozyten-Adhäsion und -Wanderung hemmen. Im Mausmodell zeigte sich nun, dass die verminderte Expression von Del-1, die im Alter vorkommt, die Gewebsentzündung und den entzündlichen Knochenschwund fördert.

Eine verminderte Del-1 Expression wurde jetzt im humanen Parodontitisgewebe gefunden. Im Mausmodell zeigte sich ebenfalls, dass lokal verabreichtes Del-1 die Leukozytenansammlung und den Knochenverlust verhindert.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text
Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Medikamente auch einmal beherzt absetzen!

Viele Ärzte scheuen sich, Medikamente abzusetzen - obwohl sie wissen, dass dies Patienten oft hilft. Neuseeländische Wissenschaftler haben zwei paradoxe Gründe dafür gefunden. mehr »

Geht's auch etwas modischer in der Klinik?

Unsere Bloggerin Dr. Jessica Eismann-Schweimler hat Verständnis für die Klinik-Kleidungsvorschriften. Doch mit ein klein wenig Fantasie könnte man auch den unvermeidlichen Kasack hübscher gestalten, meint sie. mehr »

Sport im Alter schützt vielleicht vor Demenz

Dass Sport nicht Mord bedeutet, wissen Forscher schon lange. Jetzt haben Alters- und Sportwissenschaftler messen können, wie Sport das Gehirn im Alter verändert. Dient Fitness als Demenzprävention? mehr »