Ärzte Zeitung, 24.07.2012

Kommentar zur Hygiene

Rückhalt für Sisyphos-Arbeiter

Von Rebecca Beerheide

Sie arbeiten im Unsichtbaren und werden per Kopfgeld gesucht: Fachärzte für Hygiene können sich in Deutschland kaum vor Jobangeboten retten.

Mit dem Infektionsschutzgesetz, das vor einem Jahr in Kraft getreten ist, ist über Nacht eine starke Nachfrage nach ärztlichen und pflegerischen Fachkräften entstanden, der heftigen Druck auf den fast leer gefegten Arbeitsmarkt für Klinikärzte und Pflegefachkräfte ausübt.

Dieser Druck ist wichtig -  denn nach Jahren des Sparens müssen auch Klinikleitungen einsehen, dass ohne konsequente Hygienevorschriften die erschreckend hohen Zahlen von Keiminfektionen nicht eingedämmt werden können.

Statt sich zu sperren und über Zuständigkeitsfragen bei der Weiterbildung zu diskutieren, müssen Bundesärztekammer, Klinikleitungen und Fachgesellschaften den künftigen Hygieneärzten den Rücken stärken.

Denn wer Krankenhaushygieniker wird, hat nicht auf jeder Station Freunde: Als Arzt auf Augenhöhe erklärt er anderen Kollegen, wie Therapieabläufe nach Hygienegesichtspunkten überprüft und optimiert werden müssen.

Wenn dann die Rückendeckung der Klinikleitung versagt, werden sich pro Jahr weiterhin rund 500.000 Patienten mit Klinik-Keimen infizieren.

Lesen Sie dazu auch:
Vom K(r)ampf gegen Keime

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text
Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Personal-Notstand auf deutschen Intensivstationen

Auf deutschen Intensivstationen fehlen mehr als 3000 Spezialpflegekräfte. Die Krankenhäuser wollen reagieren. Das Personal denkt über einen Großstreik nach. mehr »

HIV-Impfung generiert Immunantwort

Eine Impfung gegen HIV ist in frühen klinischen Studien. Erste Ergebnisse sind positiv. mehr »

Warum die Putzhilfe glücklich macht

Putzen, Wäsche waschen, Kochen: Viele Menschen empfinden all das als nervige Pflichten. Wer Geld hat, kann andere für sich arbeiten lassen - und fühlt sich dann zufriedener. Das haben Forscher herausgefunden. mehr »