Ärzte Zeitung, 30.11.2012

Neues Coronavirus

Offenbar keine Übertragung von Mensch zu Mensch

Offenbar keine Übertragung von Mensch zu Mensch

Ein neuer Krankheitserreger ist auf der arabischen Halbinsel aufgetaucht: das Coronavirus hCoV-EMC. Bislang sind wenige Menschen erkrankt - offenbar können sie andere Menschen nicht anstecken.

Von Benjamin Rempe und Privatdozent Tomas Jelinek

NEU-ISENBURG. Das Robert Koch-Institut informierte am 23. November über den mittlerweile fünften Erkrankungsfall mit dem neuen Coronavirus (hCoV-EMC).

Der Patient wurde aufgrund einer schweren Atemwegssymptomatik von Katar in eine Spezialklinik nach Deutschland verlegt.

Ebenfalls im November hatte das Gesundheitsministerium Saudi-Arabiens einen dritten und vierten Fall offiziell bestätigt. Beide Betroffenen wurden in einem Krankenhaus der Hauptstadt Riad erfolgreich therapiert.

Wohl in Saudi-Arabien oder Katar infiziert

Bereits im September war ein Patient wegen Lungen- und Nierenversagens von Katar nach London evakuiert worden. Nach intensivmedizinischer Betreuung konnte der 49-Jährige aus dem Krankenhaus entlassen werden.

Erstmals nachgewiesen wurde das neue Coronavirus bei einem 60-jährigen Mann aus Jeddah, nahe Mekka. Nach einer schweren Pneumonie starb dieser im Juni dieses Jahres.

Das virale, genetische Material wurde im Erasmus Medical Center (EMC) sequenziert, sodass dieses humanpathogene Coronavirus seither als hCoV-EMC bezeichnet wird.

Bei allen bis jetzt bekannten Fällen besteht der Verdacht, dass die Infektionen in Saudi-Arabien beziehungsweise im angrenzenden Katar erfolgt sind.

Schwere Pneumonien

Coronaviren sind häufig Auslöser akuter Infektionen der oberen Atemwege. Diese Gattung von RNA-Viren wird in Alpha-, Beta- und Gammacoronaviren unterteilt. Zu den Betacoronaviren zählt auch das bekannte SARS-assoziierte Coronavirus.

Das in den drei Fällen nachgewiesene Virus gehört ebenfalls zu den Betacoronaviren. Da die Betroffenen, wie bei SARS, schwere Pneumonien entwickelten, sind die Gesundheitsbehörden weiterhin besonders aufmerksam.

Der spezifische Nachweis erfolgte über eine RT-PCR, bei der ein Teil des E-Gens amplifiziert wurde. Das E-Gen kodiert Proteine, die in die Virushülle integriert werden.

Sie sind daher Teil des extrazellulären Virions welches aus den Patientenproben isoliert wurde. Eine Infektion mit diesen Viren erfolgt über Körperflüssigkeiten und Aerosole.

Kein epidemiologischer Zusammenhang erkennbar

Die Pilgerstätte Mekka wäre aufgrund des engen Kontakts der Menschen ein potenter Ausbreitungsort für diese Erkrankung. Zur großen Pilgerreise Haddsch Ende Oktober versammelten sich dort knapp zwei Millionen Muslime.

In der Vergangenheit kam es unter den Pilgern zu größeren Ausbrüchen von Meningokokken-Meningitis und Influenza.

Bis jetzt wurde eine Übertragung von Mensch zu Mensch für das neue Coronavirus noch nicht nachgewiesen. Kontaktpersonen und medizinisches Personal sind bis dato nicht erkrankt.

Ein epidemiologischer Zusammenhang ist demnach bis jetzt nicht erkennbar.

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