Ärzte Zeitung, 12.06.2014

Hantaviren

So wehrt sich der Körper

BERLIN. Wissenschaftler der Charité - Universitätsmedizin Berlin haben einen wichtigen Mechanismus des Immunsystems bei der Abwehr von Hantaviren entdeckt, der möglicherweise auch bei anderen Formen von infektiösen Fiebererkrankungen eine Rolle spielt.

Sie zeigen, dass Hantaviren die Zellen des Immunsystems in eine besondere Form des Zelltodes treiben. Kurz vor ihrem Tod setzen die Immunzellen jedoch netzartige Molekülstrukturen frei, die die Erreger unschädlich machen sollen (J Exp Med. 2014 Jun 2).

Professor Günther Schönrich, Stellvertretender Direktor des Instituts für Virologie der Charité, ging zusammen mit seinem Team der Frage nach, auf welche Art und Weise die Hantaviren mit dem Immunsystem des Menschen interagieren.

Sie fanden heraus, dass die neutrophilen Granulozyten ungewöhnlich heftig auf die Viren reagieren. "Die Viruspartikel reagieren mit einem bestimmten Oberflächenmolekül auf den Immunzellen, wodurch diese sterben.

Zuvor setzen sie netzartige, zu dreidimensionalen Strukturen verwobene Nukleinsäure-Moleküle frei, an denen antimikrobielle Substanzen kleben", wird Dr. Martin J. Raftery, Erstautor der Studie, in einer Mitteilung der Charité zitiert.

Die Netze wirken ähnlich wie Fallen, mit denen die Erreger eingefangen und unschädlich gemacht werden. Die Wissenschaftler zeigten weiterhin, dass die Hantaviren diesen normalerweise sinnvollen Mechanismus allerdings so heftig auslösen, dass die netzstrukturartigen Moleküle auch im Blutkreislauf in großen Mengen nachweisbar sind.

Dies wirkt sich schädlich auf die Funktion der Gefäßwände aus, so dass es zu schweren Lungen- und Nierenerkrankungen bis hin zum Versagen dieser lebensnotwendigen Organe kommen kann.

"Auf der Grundlage dieser Erkenntnisse können jetzt neue Therapieansätze von schweren Hantavirus-assoziierten Erkrankungen konzipiert werden", betont Schönrich. "Es wäre zum Beispiel denkbar, die im Körper zirkulierenden Nukleinsäure-Knäuel durch bestimmte Enzyme zu zerstören, um damit ihre schädigende Wirkung auf die Gefäße zu verhindern." (eb)

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