Ärzte Zeitung, 04.12.2015

Zufallsbefund

"Pankreastumor" mit unerwartetem Inhalt

Der Zufallsbefund bei der CT-Untersuchung war für den Patienten erst einmal kein geringer Schock: eine Umfangsvermehrung im Pankreas. Vor Kurzem erst war der Vater an Pankreaskrebs gestorben. Statt eines Karzinoms beherbergte die gut faustgroße Kapsel jedoch etwas anderes.

LUZERN. Ein heftiger rechtsseitiger Flankenschmerz hatte den 40-Jährigen initial zum Arzt geführt. Dieser ließ zur Abklärung einer Nephrolithiasis eine CT-Untersuchung durchführen.

Was die Mediziner sahen, war ein kleiner Nierenstein und eine gestaute rechte Niere - aber auch noch etwas anderes: eine Umfangsvermehrung im zur Milz ziehenden Anteil des Pankreas, dem Pankreasschwanz. Die Masse betrug satte 10 cm im Durchmesser.

War es möglich, dass ein bösartiger Tumor unbemerkt so groß hatte werden können?

Der Patient hatte in letzter Zeit kaum an Gewicht verloren. Auch verschiedene Krebs-Antigen-Tests waren negativ, ebenso wie die Werte des Routinelabors.

Der Patient hatte außer den stechenden Schmerzen lediglich über Blasenbeschwerden berichtet, und dass er häufig zur Toilette gemusst hatte. Sorgen machte er sich vor allem, weil erst im Jahr zuvor sein Vater, erst 65 Jahre alt, an einem Pankreaskarzinom verstorben war. Die Diagnose Bauchspeicheldrüsenkrebs stand also durchaus im Raum.

Serologische Untersuchung liefert richtige Diagnose

Die gelappte Oberfläche der Masse im CT weckte bei den Ärzten jedoch einen anderen Verdacht: Könnte es sich vielleicht um die Zyste eines Bandwurms handeln?

Im Pankreas kommen solche Hydatidenzysten nur sehr selten vor. Meist entwickeln sie sich in Leber oder Lunge ihres Fehlwirts, in diesem Fall des Menschen.

Wenn es das Pankreas trifft, schreiben Anne Lenz und Kollegen vom Kantonsspital Luzern, so ist am häufigsten der Kopf befallen. Fälle, in denen der Pankreasschwanz betroffen ist, sind absolute Raritäten (JAMA Surg 2015; online 28. Oktober).

Um genau so einen Fall handelte es sich jedoch hier. Die serologische Untersuchung ergab einen positiven Antikörpertiter für Echinococcus granulosus, gemeinhin Hundebandwurm. Damit stand für die Ärzte fest: Die Zyste musste raus, bevor sie zu platzen drohte.

Drei Wochen vor dem geplanten chirurgischen Eingriff wurde eine Albendazol-Therapie eingeleitet. Der Patient wurde außerdem gegen Pneumokokken, Meningokokken und Influenza geimpft, denn neben dem Pankreas war auch die Milz befallen und musste mitreseziert werden.

Nach Op geheilt

Wie die Ärzte berichten, verlief die Op komplikationslos. Die Zyste konnte en bloc und ohne Perforation reseziert werden. Der 40-Jährige überstand den Eingriff gut und konnte die Klinik geheilt verlassen.

Wie der Fall zeigt, kann es sich auch bei Patienten in unseren Breiten, die sich mit unklaren Umfangsvermehrungen im Bauchraum präsentieren, um einen Bandwurmbefall handeln.

Fälle von Fuchsbandwurminfektionen (Echinococcus multilocularis) hat es in der Vergangenheit vor allem im Raum Ulm mehrere gegeben.

Der Hundebandwurm Echinococcus granulosus ist vor allem in den Ländern rund ums Mittelmeer, in Nordafrika, Südamerika und Australien heimisch. (EO)

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