Ärzte Zeitung, 12.01.2016

Körpertemperatur

Warum eine rektale Fieber-Messung am besten ist

Es gibt viele Körperstellen, an denen etwaiges Fieber gemessen werden kann: im Ohr, im Mund, unter der Achsel oder im Po. Experten raten zur rektalen Messung.

Von Dagmar Kraus

Warum eine rektale Fieber-Messung am besten ist

38 Grad Celsius.

© euthymia / fotolia.com

CALGARY. Soll die Körpertemperatur mit Blick auf Diagnose und Therapie exakt bestimmt werden, sind periphere Messmethoden aufgrund der nur unzureichenden Messgenauigkeit fehl am Platz.

Bei sehr hohen oder niedrigen Körperinnentemperaturen belaufen sich die Messfehler sogar auf etwa ein bis zwei Grad Celsius. So fassen der Intensivmediziner Daniel J. Niven vom Peter Lougheed Center in Calgary und seine Kollegen die Ergebnisse ihrer aktuellen Auswertung zusammen.

Sie hatten in Datenbanken (Medline, Embase, Cochrane Central Register of Controlled Trials und CINAHL Plus) nach Studien gesucht, in denen die Genauigkeit der peripheren mit zentralen Fieber-Messmethoden bei Kindern und Erwachsenen verglichen worden war, und schließlich die Daten von insgesamt 75 prospektiven Studien ausgewertet.

Zum einen überprüften Niven und Kollegen die Übereinstimmungsgrade der verschiedenen zentralen und peripheren Messmethoden bezogen auf die Messung mittels Pulmonaliskatheter, wobei eine Abweichung von ± 0,5° C in 95 Prozent der Fälle als klinisch akzeptabel definiert worden war.

Zum anderen bestimmten sie die diagnostische Sensitivität der peripheren Techniken für Fieber und Hypothermie mit Hilfe des von der Cochrane Diagnostic Test Accuracy Working Group herausgegebenen analytischen Testverfahrens.

Empfehlung für rektale Messung

Alle nicht invasiven zentralen Verfahren garantierten demnach eine klinisch akzeptable Übereinstimmung von +/- 0,5 °C. Die Messungen im Ohr, unter der Achsel und unter der Zunge sowie an der Schläfe erreichten hingegen diese Vorgabe nicht.

Vor allem bei fiebrigen Patienten wichen die Messwerte deutlich stärker von der tatsächlichen Temperatur ab (Erwachsene: - 1,44 °C bis + 1,46 °C; Kinder: - 1,49 °C bis + 0,43 °C) (Ann Intern Med. 2015; 163(10): 768-777).

Infolge war auch die diagnostische Genauigkeit schlecht. Die peripheren Messmethoden erreichten für die Fieberdiagnostik bei Erwachsenen und Kindern gerade mal eine Sensitivität von 64 Prozent (95%-KI 55%-72%, p < 0,001).

Die Autoren empfehlen, die Körpertemperatur rektal oder - wenn der Patient einen Blasenkatheter hat - in der Blase zu bestimmen. So lassen sich bezogen auf den Goldstandard, die Messung über einen Pulmonaliskatheter, die exaktesten Ergebnisse erzielen, was unabdingbar für Diagnostik und Therapie ist.

Mit peripheren Techniken ließe sich die geforderte Genauigkeit nicht erreichen. Speziell subfebrile Temperaturen oder leichtes Fieber würden so nicht exakt erfasst, sind aber gerade bei älteren Patienten oder solchen mit Immunschwäche, Kollagenosen oder Tumorerkrankungen ein wichtiges Infektionszeichen.

Sollte eine zentrale Messung aus welchen Gründen auch immer nicht möglich sein, ist nach Ansicht der Studienautoren bei Kindern die Messung im Ohr und bei Erwachsenen die Messung unter der Zunge die beste Alternative.

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