Ärzte Zeitung, 01.09.2016

Krebs durch Infektionen

Krebs durch Impfung und Screening oft vermeidbar

Viele Malignome haben ihren Ursprung in einer Infektion. Mehr Prävention sowie frühe Therapien könnten weltweit für Entlastung sorgen.

Von Christine Starostzik

Mit Impfung und Screening vermeidbar

Impfen kann vor Krebs schützen: Elf verschiedene Bakterien, Viren und Parasiten werden derzeit für die Entwicklung von Karzinomen verantwortlich gemacht.

© RAM / fotolia.com

LYON. Schätzungen zufolge entstehen 15,4 Prozent aller Krebserkrankungen durch Infektionen. Eine französische Studie macht deutlich, wie stark das jeweilige Infektions- beziehungsweise Krebsrisiko von der geografischen Region und den Lebensumständen der Menschen abhängen. So sind in weniger entwickelten Ländern nahezu ein Viertel der Krebserkrankungen infektionsbedingt.

Elf verschiedene Bakterien, Viren und Parasiten werden derzeit für die Entwicklung von Karzinomen verantwortlich gemacht. Martyn Plummer und Kollegen von der International Agency for Research on Cancer (IARC) in Lyon haben aus der Prävalenz von Infektionen bei Malignompatienten und dem relativen Infektionsrisiko für verschiedene Länder berechnet, wie viele Krebsfälle im Jahr 2012 auf eine Infektion zurückzuführen waren (attributable fraction, AF).

Weltweit häufigster Erreger: Helicobacter pylori

Der weltweit häufigste Erreger bei Patienten mit neu diagnostizierten Karzinomen im Jahr 2012 war Helicobacter pylori mit 770.000 Fällen von Magenkarzinom, gefolgt von Humanen Papillomaviren (HPV, 640.000 Fälle von Zervix-, Penis-, Anal- Vulva-, Vaginal-, Oropharynx-, Mundhöhlen- und Larynxkarzinom), Hepatitis-B-Virus (HBV, 420.000 Fälle von Leberkarzinom), Hepatitis-C-Virus (HCV, 170.000 Fälle von Leber- und Non-Hodgkin-Lymphom) und Epstein-Barr-Virus (EBV, 120.000 Fälle von Hodgkin-Lymphom, Burkitt-Lymphom und Nasopharyxkarzinom).

H. pylori, HPV, HBV und HCV machen zusammen weltweit 92 Prozent aller infektionsbedingten Krebserkrankungen aus. Als weitere karzinogene Erreger gelten HIV Typ 1, Humanes Herpesvirus Typ 8 (HHV-8 bzw. Kaposi-Sarkom-Herpesvirus), humanes T-lymphotropes Virus 1 (HTLV-1, T-Zell-Leukämien und Lymphome), Opisthorchis viverrini (Gallengangkarzinom), Clonorchis sinensis (Gallengangkarzinom) sowie Schistosoma haematobium (Blasenkarzinom).

Die Anteile infektionsbedingter Krebserkrankungen schwankt

Bei einer HIV-Infektion steigt das Krebsrisiko in Verbindung mit anderen karzinogenen Krankheitserregern. Wegen der Schwierigkeiten bei der Einschätzung der AF wurde HIV aus den Berechnungen ausgeschlossen.

Je nach geografischer Lage und Entwicklungsstand des Landes variierten die Anteile infektionsbedingter Krebserkrankungen (Lancet Glob Health 2016; 4:e609-16).

Am höchsten waren die AF-Quoten in den Ländern mit dem niedrigsten HDI (Human Development Index) und umgekehrt. In den USA, Kanada, Australien, Neuseeland und einigen Ländern West- und Nordeuropas etwa lag der AF unter 5 Prozent, während er in einigen Ländern Afrikas südlich der Sahara und in der Mongolei mehr als 40 Prozent erreichte.

Vermeidung durch frühe Therapie

Insgesamt erstreckte sich die Spanne von 3,6 Prozent in Schweden bis > 50 Prozent in Malawi und Mosambik. HHV-8-bedingte Karzinome etwa kommen in hoher Zahl nur in unterentwickelten Ländern vor (14 vs. 2 Prozent weltweit). Krebserkrankungen durch H. pylori dagegen sind auch in hoch und sehr hoch entwickelten Ländern von Bedeutung. Unabhängig vom Entwicklungsstand des Landes fanden sich höhere AF generell bei den jüngeren Altersgruppen zwischen 40 und 45 Jahren.

Die Autoren gehen davon aus, dass viele infektionsbedingte Krebserkrankungen durch Prävention oder frühe Therapie vermieden werden könnten. Hierzu wären unter anderem bevölkerungsweite Impfaktionen sowie Screening- und Therapieprogramme nötig, vor allem in den weniger entwickelten Ländern.

In Japan und Korea etwa haben Magenkarzinome trotz besonders hoher Inzidenz in diesen Ländern eine außerordentlich gute Prognose, was auf die nationalen endoskopischen Screening-Programme zurückgeführt wird. Dagegen werden hohe Zervix-Ca-Raten, abgesehen von hohen Prävalenzen an HPV-Infektionen, auf mangelndes Screening und Nichtbehandlung von Präkanzerosen zurückgeführt.

Plummer und Kollegen weisen auf den Wert von Impfungen gegen HBV und HPV sowie auf eine "Screen-and-Treat-Strategie" für HPV und HCV hin. Nicht zuletzt könne u. a. auch mit einer frühen kombinierten antiretroviralen Therapie HIV-positiver Personen die Entwicklung eines Karposi-Sarkoms, der zweithäufigsten Krebsart in Subsahara-Afrika, in den meisten Fällen verhindert werden.

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