Ärzte Zeitung, 20.03.2008

Bringen Antibiotika bei Rhinosinusitis keinen Nutzen?

Studie findet nur geringe Vorteile für Antibiose / Infektiologe verweist auf Leitlinien

BASEL (ars). Sollte ein Patient mit Rhinosinusitis Antibiotika bekommen, etwa weil er schon länger als eine Woche krank oder sein Rachen vereitert ist? Die Antwort, die eine Forschergruppe aus einer MetaAnalyse zieht, lautet: Selbst dann bringen diese Medikamente höchstens einen geringen Nutzen.

 Bringen Antibiotika bei Rhinosinusitis keinen Nutzen?

Ist Auskurieren für Patienten mit Rhinosinusitis das Beste?

Foto: DAK

Fast immer reiche es, abzuwarten und die Symptome zu lindern, schreiben die Autoren um Dr. Jim Young aus Basel (Lancet 371, 2008, 908). Damit widersprechen sie internationalen wie deutschen Leitlinien: Die lehnen zwar Antibiotika vor dem 8. Krankheitstag ebenfalls ab, empfehlen sie dann aber doch, wenn die Beschwerden weiter andauern oder sich gar verschlechtern. "Ich rate Hausärzten, sich nicht nach den Studienergebnissen zu richten, sondern nach den Leitlinien", sagte der Infektiologe Professor Hartmut Lode aus Berlin zur "Ärzte Zeitung". Begründung: Es bestehe die Gefahr von Komplikationen, etwa dass zu der ursprünglich meist viralen Infektion eine bakterielle Besiedlung mit Augenbeteiligung hinzukommt.

Bei einer Vereiterung des Pharynx betrug die Number Needed to Treat (NNT) in der Studie neun. Das heißt: Neun Patienten müssten Antibiotika nehmen, damit die Krankheitsdauer bei einem Patienten verkürzt ist. Verläuft die Entzündung der Nasennebenhöhlen ohne solche Komplikationen, liegt die NNT bei 16.

Für ihre Meta-Analyse haben die Wissenschaftler neun Studien mit knapp 2600 Teilnehmern ausgewertet. Dabei konnten sie keine Untergruppe von Patienten ermitteln, bei denen die Medikamente klar wirksam waren. Auch bei Patienten in höherem Alter, mit fortbestehenden oder schwerwiegenden Symptomen ließ sich kein Vorteil einer Antibiotika-Therapie nachweisen.

Ebenso wenig fanden sich eindeutige Hinweise, mit denen sich eine virale von einer bakteriellen Infektion unterscheiden lässt. Nach der Meta-Analyse sind also weder eine vorangehende Erkältung noch Gesichtsschmerzen Indizien für die Herkunft der Beschwerden.

Eine Ausnahme allerdings sehen die Forscher bei Zeichen von Komplikationen wie hohes Fieber, periorbitale Schwellungen, Erythemen oder starken Gesichtsschmerzen. Bei diesen Patienten halten sie Antibiose für dringend angezeigt.

Außerdem weisen sie darauf hin, dass ihre Ergebnisse nur für Erwachsene gelten, nicht aber für Kinder und auch nicht für Menschen mit eingeschränkter Immunabwehr.

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