Freitag, 29. August 2014
Ärzte Zeitung, 23.01.2013

Kommentar

Hustende erst mal aufklären

Von Christine Starostzik

Acht Wochen geben die Experten der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie (DGP) einem akuten Husten, bis sie ihn als chronisch einstufen. Dass diese Zeitspanne der Praxis entspricht, bestätigt eine US-Studie, in der unbehandelte Patienten ihren Erkältungshusten im Schnitt erst nach zwei bis drei Wochen wieder los hatten.

Anders die Vorstellung vieler Patienten: Sie glauben, ein Husten müsse spätestens nach einer guten Woche überstanden sein. Diese Fehleinschätzung führt dazu, dass oft bereits nach fünf bis sechs Tagen der Druck auf den Hausarzt wächst, ein Antibiotikum zu verschreiben.

Und tatsächlich verlässt jeder zweite Hustenpatient die Praxis mit einem solchen Rezept - ungeachtet der Tatsache, dass eine einfache Erkältung keineswegs verkürzt wird; ganz abgesehen von unnötigen Kosten, möglichen Nebenwirkungen und Resistenzbildungen.

Auch das lange als Indikation gehegte "verfärbte Sputum" gilt nicht mehr als sicherer Beleg für eine bakterielle Infektion. Und selbst wenn eine solche besteht, stellt dies der DGP-Leitlinie zufolge bei ansonsten gesunden Patienten noch immer keine absolute Indikation für eine antibiotische Therapie dar.

Offenbar ist noch viel Aufklärungsarbeit nötig, um die Kluft zwischen Patientenerwartung und Realität zu überwinden.

Lesen Sie dazu auch:
Fehlendes Wissen über Husten: Der überschätzt Patient

|
[25.01.2013, 17:19:37]
Dipl.-Med Matthias Junk 
Husten - ein oft noch falsch gewertetes Symptom
Auch in Fachkreisen - erst recht bei Patienten - wird noch viel zu häufig davon ausgegangen, dass Husten als Symptom einer Bronchitis auch automatisch bedeutet, dass eine Bronchitis vorliegt.
Ich bitte einen Großteil der Kollegenschaft um Vergebung für die Strapazierung ihrer Geduld bei der jetzt folgenden Binsenweisheit, aber aus Fragen an Facharzt-Ausbildungs-Kandidaten und an "Hustende" habe ich den Eindruck bestätigt bekommen, dass noch ganz allgemein Husten mit Bronchitis gleichgesetzt wird.
Husten ist zwar bei einer Bronchitis obligat, aber das Symptom an sich ist geradezu strikt von einer automatischen Diagnosestellung "Bronchitis" zu trennen.
Vielmehr muss davon ausgegangen werden, dass in der überwiegenden Mehrzahl aller Hustenfälle dieser Reflex, der von Rezeptoren ausgelöst wird, welche schon in den mittleren bis unteren Rachenetagen und im Larynx reagieren (und nicht erst in den Bronchien), geradezu als "Wächter-Reflex der tiefen Atemwegen" ausgelöst wird.
Also kann gesagt werden, dass Husten in aller Regel dazu beiträgt, eine Bronchitis oder gar Pneumonie zu verhindern. Wie stark dieser Reflex auslöst - auch wenn er erst als der kleine Bruder "Räuspern" auftritt - merkt jeder, der lange in trockener Luft oder mit dysphoner Artikulation redet oder singt (ohne einen Schluck aus dem berühmten Wasserglas zu nehmen...): dann kommt der Husten, nicht aber gleich die Bronchitis.
Am deutlichsten wird dies bei Kindern offenkundig, die in der Nacht und morgends oft mehr husten müssen, weil dann das Sekret aus Nase und Rachen, welches am Tage überwiegend verschluckt wird (bewußt und unbewußt), sich im Rachen sammelt und dann Hustenanfälle bis zum Erbrechen auslösen kann (und soll).
Beeinträchtigte Nasenatmung mit liegender Position kombiniert (in senkrechter Position und bei bewußtem Verschlucken verschwindet einfach das meiste an "Schleim-Müll" in den Verdauungswegen - wo es aus immunologischen Gründen eigentlich eher hingehört, als in das "Tempo"...) machen diese Form des Hustens geradezu unverwüstlich. Das daraus dann auch Bronchitis entstehen kann, ist naheliegend.
Alles schafft der Husten denn doch nicht zu verhindern... zum Beitrag »

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text
Weitere Top-Meldungen

BDI-Chef Wesiack im Interview: "Das Honorar-Ergebnis ist eine große Enttäuschung"

In Sachen Honorar blickt Internisten-Präsident Wesiack wenig optimistisch in die Zukunft. Den jüngsten Abschluss bezeichnet er im Interview als Enttäuschung. Auch bei der GOÄ sieht er schwarz - und übt deutliche Kritik an der BÄK. mehr »

Honorar-Ergebnis: Ärzte sind sauer auf die KBV

Von fünf Milliarden Euro war die Rede, 800 Millionen Euro sind es am Ende geworden: Die KBV erntet für ihr Ergebnis bei den Honorarver­handlungen viel Kritik - von Ärztevertretern und niedergelassenen Ärzten. mehr »

Psychosomatische Medizin: Vertrauensperson Hausarzt

Viele Menschen in Deutschland haben psychosomatische Störungen. Erkannt werden diese aber oft zu spät. Experten sind überzeugt: Den Schlüssel zu Verbesserungen in der Versorgung tragen die Hausärzte. mehr »