Ärzte Zeitung, 19.08.2016

Coronaviren

Erkältungsvirus kam vom Kamel zum Menschen

BONN. Für eines der vier menschlichen Erkältungs-Coronaviren "HCoV-229E" haben Forscher den Ursprung gefunden - es stammt ebenso aus Kamelen wie das MERS-Virus (PNAS 2016; online 15. August).

Das 2012 erstmals beim Menschen nachgewiesene Middle East Respiratory Syndrome (MERS)-Virus ist ein Coronavirus, das schwere Atemwegsinfektionen hervorrufen kann, mit oft tödlichem Verlauf. Fest steht seit einiger Zeit, dass das MERS-Coronavirus seinen tierischen Ursprung in Dromedaren hat.

Im Rahmen von Untersuchungen zu MERS haben die Forscher etwa 1000 Kamele auf Coronaviren untersucht und bei knapp sechs Prozent haben sie auch Erreger entdeckt, die mit HCoV-229E verwandt sind, heißt es in einer Mitteilung der Uniklinik Bonn.

Molekulargenetische Vergleichsuntersuchungen zwischen Erkältungsviren in Fledermäusen, Menschen und Dromedaren legten den Schluss nahe, dass der Erkältungs-Erreger tatsächlich von Kamelen auf den Menschen übertragen wurde.

Die Forscher isolierten lebende Kamel-Erkältungsviren und fanden heraus, dass diese prinzipiell auch in menschliche Zellen eindringen können - über dieselben Rezeptoren wie HCoV-229E. Allerdings gelinge es dem menschlichen Immunsystem, die Kamel-Viren genauso abzuwehren wie menschliche Erkältungsviren auch.

Tests mit humanem Serum und den tierischen Erkältungsviren haben darüber hinaus ergeben, dass von ihnen keine unmittelbare Epidemie-Gefahr mehr für den Menschen ausgeht, denn die menschliche Bevölkerung ist durch die weite Verbreitung des Erkältungsvirus HCoV-229E weitgehend immun.

Also Entwarnung auch für MERS-Viren? "Das MERS-Virus ist ein rätselhafter Erreger: Immer wieder gibt es kleinere Ausbrüche, die lokal zum Beispiel auf eine Klinik begrenzt sind. Das Virus ist glücklicherweise noch nicht gut genug an den Menschen angepasst, so dass es sich bisher nicht weltweit verbreiten kann", wird Professor Christian Drosten, Institut für Virologie des Universitätsklinikums Bonn, in der Mitteilung zitiert.

Die nun Untersuchungen zu Vorläuferviren des menschlichen HCoV-229E-Virus im Kamel ergeben ein Bild, das der derzeitigen Situation bei MERS ähnelt. Wie MERS seien auch diese Vorläuferviren sind nicht optimal auf den Menschen angepasst.Bedenklich sei, dass die weltweite Verbreitung von HCoV-229E durch Mensch-zu-Mensch-Übertragung erfolgt ist, mit großer Wahrscheinlichkeit im Rahmen einer vergangenen Pandemie.

"Mit unserer aktuellen Studie liefern wir ein Warnsignal im Hinblick auf die Pandemiegefahr durch MERS - denn was HCoV-229E geschafft hat, kann MERS vielleicht auch." (eb)

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