Ärzte Zeitung, 03.07.2007

Sommerakademie 2007

M. Alzheimer ist vor allem eine Ausschlussdiagnose

Blutbild, Elektrolytstatus, TSH, Leberwerte und Vitamin B12 - das sollte man auf jeden Fall prüfen

Schleichender Gedächtnisverlust, Sprach- und Orientierungsstörungen - solche Symptome deuten auf einen Morbus Alzheimer. Die Symptome können aber auch bei leicht heilbaren Erkrankungen auftreten. Diese Krankheiten müssen durch eine gründliche Anamnese und Labortests ausgeschlossen werden.

Haben Patienten Gedächtnisstörungen, ist das Denkvermögen beeinträchtigt, haben sie ihre Gefühle nicht mehr gut unter Kontrolle, und kommen sie im Alltag alleine nicht mehr gut zurecht, dann spricht nach Ansicht des Neurologen und Psychiaters Professor Klaus-Peter Westphal aus Ulm vieles für einen Morbus Alzheimer. Auch Sprachprobleme und räumliche Orientierungsstörungen gehören zu den Symptomen. Um die Diagnose Alzheimer zu rechtfertigen, sollten die Beschwerden aber mindestens seit sechs Monaten kontinuierlich bestehen. Und: Es sollten andere Erkrankungen ausgeschlossen werden. Dazu zählen:

  • Eine Hypothyreose, vor allem durch eine Hashimoto-Thyreoiditis. Sie kann zu einer rasch progredienten Demenz führen. Dann sollten Schilddrüsen-Autoantikörper bestimmt werden.
  • Infektionskrankheiten wie Borreliose, Lues oder HIV. Hierbei gibt es oft auch neurologische Störungen.
  • Eine Medikamenten-induzierte Hyponatriämie. Sie kann durch Diuretika, Antiepileptika oder gelegentlich durch ACE-Hemmer entstehen.
  • Depressionen, vor allem wenn Denkhemmung und Konzentrationsstörungen ausgeprägt sind.

Klagen Patienten über Vergesslichkeit, sollten im Labor zumindest Blutbild, Elektrolytstatus, TSH, Leberwerte und Vitamin B12 analysiert werden, um Entzündungen, Nieren-, Schilddrüsen- und Lebererkrankungen sowie Avitaminosen auszuschließen. (mut)

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