Ärzte Zeitung, 02.07.2007

Sommerakademie 2007

Einige Kassen bezahlen inzwischen Reiseimpfungen

FSME-Impfung ist besonders den über 50-Jährigen anzuraten / Schutz gegen Influenza bei Gruppenreisen

Eine Reise ist eine gute Gelegenheit, bei Patienten die Standardimpfungen zu überprüfen. Jeder Mensch in Deutschland sollte aktuellen Impfschutz gegen Tetanus und Diphtherie haben und mit vier Impfdosen gegen Poliomyelitis grundimmunisiert sein. Alte Menschen und chronisch Kranke sollten zusätzlich gegen Pneumokokken und saisonal gegen Influenza geimpft werden. Kinder und Jugendliche brauchen speziell Schutz gegen Masern, Mumps, Röteln, Varizellen sowie Pertussis und Hepatitis B. Je nach Ziel und Stil der Reise sind weitere Impfungen zu empfehlen.

Menschen über 60 Jahre und chronisch Kranke sollten gegen Pneumokokken-Infektionen und Influenza geimpft sein, das gilt auch auf Reisen. Foto: Novartis Behring

Reiseimpfungen sind in der Regel IGeL-Angebote, die Reisende selbst bezahlen müssen. Manche Kassen (etwa DAK, TK, KKH) erstatten Mitgliedern aber die Kosten für die Impfungen zurück (Liste dieser Kassen unter www.internisten-im-netz.de).

Typische Reiseimpfstoffe
Poliomyelitis
IPV-Virelon®, IPV Mérieux® (Monoimpfstoffe); Td-Virelon®, Revaxis® (Kombinationen mit Tetanus und Diphtherie); Boostrix®-Polio, Repevax® (Kombinationen zusätzlich mit Pertussis)
Hepatitis A
HAVpur®, Havrix®, Vaqta®
Hepatitis B
Engerix-B®, HBVAXPRO®
Typhus
Typhim Vi®, Typherix® (parenteral) Typhoral® L (oral)
FSME
Encepur®, FSME IMMUN
Meningokokken
Meningokokken-Impfstoff A+C Mérieux® und Mencevax® ACWY (Polysaccharid-impfstoffe) Meningitec®, Menjugate® und NeisVac-C® (konjugierte Impfstoffe für Langzeitschutz gegen Meningokokken C).
Tollwut
Tollwut-Impfstoff (HDC) (inaktiviert) und Rabipur® (Totimpfstoff)
Cholera
Dukoral
Gelbfieber
Stamaril®
Kombinationen
Twinrix® (Hepatitis A und B), Hepatyrix® und Viatim® (Hepatitis A und Typhus)
Quelle: Forum Impfen, Tabelle: ÄRZTE ZEITUNG
Je nach Reiseziel und Reisestil lässt sich ein Impfprogramm für Reisende zusammenstellen.

FSME: Die FSME-Impfung ist allen, besonders über 50-Jährigen, anzuraten, die sich in Risikogebieten wie Süddeutschland, Österreich, Russland oder dem Baltikum in der Natur aufhalten. Zur Zeit ist der Impfstoff in Deutschland allerdings knapp.

Poliomyelitis: Bei Reisen in Endemiegebiete werden Auffrischungen empfohlen, wenn die letzte Impfung länger als zehn Jahre zurückliegt. Durch das Eradikationsprogramm der WHO sind weite Teile der Welt poliofrei. Wildviren sind derzeit nur noch in Nigeria, Indien, Pakistan und Afghanistan endemisch. In weitere Länder sind die Viren in den vergangenen Jahren wieder eingeschleppt worden. Die US-Centers for Disease Control raten bei Reisen nach Afrika, Süd- und Südost-Asien sowie in den Mittleren Osten zu einem aktuell aufgefrischten Impfschutz.

Hepatitis A: "Südlich der Alpen und östlich der Oder" - diese Faustregel geben Impfexperten für die Hepatitis-A-Impfung vor Reisen.

Hepatitis B: Der Schutz wird bei längerem Aufenthalt in Endemiegebieten (Afrika südlich der Sahara, tropisches Südamerika, Südostasien, China) und bei engem Kontakt mit der Bevölkerung empfohlen.

Influenza: Chronisch Kranke und alte Menschen sollten vor allem auch geschützt werden, wenn sie mit Gruppen verreisen, etwa auf Kreuzfahrten.

Typhus: Das Infektionsrisiko ist hoch in Indien sowie in Entwicklungsländern von Asien, Afrika sowie Mittel- und Südamerika. Die Impfung ist etwa für Rucksack-Reisende ratsam.

Tollwut: Die Impfung ist indiziert für Langzeitreisende in Endemiegebieten (etwa Indien, Nepal, Thailand, Mexiko, China) sowie Rucksack-Reisende und Kinder. Manche Experten meinen, jeder Tourist, der ein Tollwut-Endemiegebiet besucht, sollte geimpft sein.

Meningokokken-Meningitis: Jedem, der in Endemieländern (etwa West- und Ostafrika) mit öffentlichen Verkehrsmitteln reist, sollte man auch diese Impfung empfehlen. Welche der vier bekannten Meningokokken-Typen im Reiseland prävalent sind, sollte vorher geklärt werden. Die Impfung wird zudem für Austauschschüler und Studenten in den USA oder Großbritannien empfohlen.

Gelbfieber: Die Impfung wird von vielen Ländern vorgeschrieben, und sie wird bei Reisen nach Afrika und Südamerika auch empfohlen. Bei Reisenden über 60 Jahre muss die Indikation aber sehr streng gestellt werden. Denn nach Erstimpfung kann es bei ihnen zu schweren, sogar tödlichen Impfreaktionen kommen. Der Impfnachweis ist erst zehn Tage nach der Impfung gültig.

Cholera: Mitunter wird an Grenzen - besonders in Afrika - der Nachweis einer Cholera-Impfung verlangt. (ug)

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