Ärzte Zeitung online, 26.09.2014

Ebola-Epidemie

UN-Bereitschaftstruppe von Ärzten angedacht

Die Hilfe für die Ebola-Opfer kommt in Gang. Auch Tausende Soldaten und Zivilisten aus Deutschland meldeten sich für Einsätze. Die Epidemie breitet sich indes weiter aus, Sierra Leone stellt mehr als eine Million Menschen unter Quarantäne.

NEW YORK. US-Präsident Barack Obama hat die Ebola-Epidemie in Westafrika erneut als große Gefahr bezeichnet. "Wenn es je einen Gesundheitsnotfall gegeben hat, der eine starke und koordinierte internationale Antwort verlangt hat, dann ist es dieser", sagte er am Donnerstag bei einem hochrangigen Treffen am Hauptsitz der Vereinten Nationen (UN) in New York.

UN-Generalsekretär Ban Ki Moon schlug vor, über diese Epidemie hinaus eine UN-Bereitschaftstruppe von Ärzten einzurichten. "Genau wie unsere Truppen mit blauen Helmen dazu beitragen, dass die Menschen sicher sind, könnte ein Team in weißen Kitteln dazu beitragen, dass die Menschen gesund sind."

Die Staatsoberhäupter der betroffenen Länder in Westafrika wandten sich mit bewegenden Appellen an die Vereinten Nationen. Die Epidemie sei wohl die "größte Herausforderung aller Zeiten" für ihr Land, sagte die per Video zugeschaltete Präsidentin Liberias, Ellen Johnson-Sirleaf.

"Das schlimmste Szenario ist, dass mehr als 100.000 unserer Landsleute sterben werden durch eine Krankheit, die sie nicht verursacht haben und die sie nicht verstehen."

Der ebenfalls per Video zugeschaltete Präsident von Sierra Leone, Ernest Bai Koroma, nannte Ebola "schlimmer als Terrorismus".

Die Europäische Union (EU) versprach weitere 30 Millionen Euro im Kampf gegen Ebola. Damit steige die Gesamtsumme des bislang von der EU zur Verfügung gestellten Geldes auf 180 Millionen Euro, sagte EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso bei dem Treffen. Die Weltbank will ihre finanzielle Unterstützung auf 400 Millionen Dollar (rund 312 Millionen Euro) ausbauen.

Ärzte dringend gesucht

In Deutschland meldeten sich rund 4500 Bundeswehrsoldaten und Zivilisten innerhalb von drei Tagen freiwillig für Einsätze in den Ebola-Gebieten. Das berichtete Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) bei ihrem Irak-Besuch in Erbil.

Etwa 70 Prozent der Freiwilligen kämen aus der Bundeswehr oder seien Reservisten, bei 30 Prozent handele es sich um Zivilisten. "Angesichts der unglaublich großen Zahl bin ich einfach überwältigt und bewegt", sagte die Ministerin.

Unter den Freiwilligen seien Ärzte und Techniker. Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe, das Bundesgesundheitsministerium und Deutsches Rotes Kreuz hatten am Donnerstag an die Ärzte in Deutschland appelliert, sich freiwillig für den Kampf gegen Ebola zu melden.

Am Donnerstag startete vom Flughafen Köln/Bonn eine Transportmaschine der Bundeswehr zu einem ersten Ebola-Hilfsflug nach Westafrika. Die Maschine hatte nach Angaben eines Luftwaffen-Sprechers rund fünf Tonnen Material wie etwa Stiefel, Handschuhe und Desinfektionsmittel an Bord.

Viele Bundesbürger finden das deutsche Engagement allerdings ungenügend, wie eine Umfrage der Mannheimer Forschungsgruppe Wahlen zeigt. Nur 38 Prozent der in dieser Woche befragten 1184 Teilnehmer am aktuellen ZDF-"Politbarometer" meinen, dass Deutschland genügend tut, um in Westafrika Hilfe zu leisten.

Gleichzeitig meint knapp die Hälfte (47 Prozent) der Befragten, dass die Ebola-Epidemie auch Deutschland erreichen wird, 50 Prozent glauben das nicht.

G7-Staaten planen Rettungskette für Helfer

Die sieben großen Industrienationen (G7) wollen eine Art Rettungskette für internationale Helfer aufbauen, die sich in Westafrika mit dem Ebola-Erreger infizieren. Dies geht aus der Abschlusserklärung zu einem Treffen der G7-Außenminister am Donnerstag in New York hervor.

Nach Angaben aus Delegationskreisen sollen Helfer eine Garantie bekommen, bei einer Infektion ausgeflogen und behandelt zu werden. Die G7-Staaten USA, Kanada, Großbritannien, Japan, Frankreich, Italien und Deutschland äußerten sich "zutiefst besorgt". Die Epidemie müsse eingedämmt werden, ohne die betroffenen Länder zu isolieren.

Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) sind inzwischen 6263 Infizierte registriert. Bis 21. September kamen mehr als 2900 Menschen durch die Folgen der Ebola-Infektion ums Leben. Darunter waren 208 Ärzte und Pfleger aus afrikanischen oder anderen Ländern.

Ein Opfer ist eine Krankenschwester einer SOS-Kinderdorf-Klinik in Liberia. Das Krankenhaus in Monrovia musste daraufhin neun Tage schließen. Nach Angaben der SOS-Kinderdörfer vom Freitag ist es die größte verbliebene 24-Stunden-Klinik der liberianischen Hauptstadt.

Die einheimische Krankenschwester hatte sich bei der Behandlung ihres Schwagers außerhalb der Klinik mit dem Virus angesteckt und war zwei Wochen nach dem Verwandten ebenfalls gestorben, wie es am Sitz der SOS-Kinderdörfer in München hieß.

Fünf Mitarbeiter, die mit der Frau Kontakt hatten, stünden unter Beobachtung. Mit Patienten sei sie nach der Infektion nicht mehr zusammengekommen, sagte der Sprecher der SOS-Kinderdörfer, Louay Yassin.

Mittlerweile sei die Klinik wieder geöffnet. Dort werden nach Yassins Angaben pro Woche an die 1000 Patienten behandelt, die meisten von ihnen ambulant. Quendi Appleton, eine Krankenschwester der Klinik, erläuterte: "Viele Menschen sterben zurzeit an Malaria oder Blinddarmdurchbrüchen, da so viele Krankenhäuser in Monrovia geschlossen sind."

In Spanien starb am Donnerstag ein Ebola-Patient, der sich in Afrika angesteckt hatte. Er hatte dort eine Klinik geleitet.

Sierra Leone: Mehr als eine Million Menschen in Quarantäne

Zu drastischen Maßnahmen bei der Bekämpfung der Epidemie hat die Regierung von Sierra Leone gegriffen: Sie stellte weitere Landesteile mit mehr als einer Million Menschen unter Quarantäne.

Die Isolierung von drei zusätzlichen Distrikten sei erforderlich, um die Seuche bekämpfen zu können, erklärte Präsident Ernest Bai Koroma. Die Bewohner dieser Distrikte dürfen die Grenzen ihrer Gemeindegebiete nur mit Genehmigungen und über kontrollierte Straßenkorridore verlassen.

Damit sind nun insgesamt etwa zwei Millionen der rund sechs Millionen Einwohner des Landes von der Isolierung betroffen. (dpa/eb)

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