Ärzte Zeitung, 29.09.2014

Hausärztin will Ebola-Einsatz

"Bin bereit, das Risiko zu tragen"

Dr. Anne von Bülow war Hausärztin in Berlin. Nun will sie im Kampf gegen Ebola in Westafrika helfen. Die 72-Jährige hat sich beim DRK als Freiwillige beworben.

"Bin bereit, das Risiko zu tragen"

Dr. Anne von Bülow hat sich beim DRK als Freiwillige für den Kampf gegen Ebola in Westafrika gemeldet.

© privat

Ärzte Zeitung: Frau Dr. von Bülow, warum haben Sie sich dafür entschieden, sich freiwillig für den Einsatz im Ebola-Krisengebiet zu melden?

Dr. Anne von Bülow: Da zu helfen, wo andere nicht mehr allein zurecht kommen, ist ein Lebens-Prinzip, das ich schon von meinen Großeltern gelernt habe. Ich war bereits zwei Mal in Afrika im Einsatz.

Zum Beispiel 1994 in einem Flüchtlingslager, das wegen des Völkermords in Ruanda auf dem Territorium des ehemaligen Zaire eingerichtet worden war. Heute sieht man wieder ähnlich furchtbare Bilder aus Afrika im Fernsehen.

Ich denke die betroffenen Länder brauchen Hilfe, weil sie das Problem nicht mehr alleine in den Griff bekommen. Dort gibt es momentan nicht genügend erfahrene, gut ausgebildete Helfer.

Ich bin gesund und fühle mich fit für meinen dritten Einsatz. Außerdem ist es mir mein ganzes Leben lang recht gut gegangen, deshalb möchte ich den Leuten mit meinem Engagement als Ärztin helfen.

Ärzte Zeitung: Welche Erfahrungen wollen Sie vor Ort einbringen?

Dr. Anne von Bülow: Ich bin Fachärztin für Allgemeinmedizin und Chirurgie und habe 30 Jahre als Hausärztin gearbeitet. Aber wenn es um meinen Einsatz für die betroffenen Menschen geht, bin ich ganz und gar leidenschaftslos.

Es ist auch nicht wichtig, ob ich in Liberia oder Sierra Leone arbeiten kann. Dort, wo ein erfahrener Doktor gebraucht wird, stelle ich mich hin und gebe mein Bestes.

Ärzte Zeitung: Haben Sie Angst sich bei Ihrer Arbeit in Westafrika selbst mit Ebola zu infizieren?

Bewerbung für Hilfseinsatz

Freiwillige medizinische Helfer können sich ab sofort über das Online-Bewerbungssystem des Deutschen Roten Kreuzes für diesen Hilfseinsatz melden unter: https://drkhrnet.drk.de/Home

Dr. Anne von Bülow: Ich habe großen Respekt vor dem, was möglicherweise auf mich zukommt, aber keine Angst, dann wäre ich dort auch nicht richtig. Es gibt ja auch noch andere bedrohliche Krankheiten in der Region, wie Malaria.

Ich denke aber auch, dass in der Vorbereitung auf den Einsatz ausreichend über Schutzmaßnahmen informiert wird. Wie bei meinen zwei Einsätzen zuvor über die Hilfsorganisation Care Deutschland. Ich bin bereit, das Risiko zu tragen.

Ärzte Zeitung: Was haben Sie bei Ihren vorherigen Einsätzen in Afrika gemacht?

Dr. Anne von Bülow: Wir haben damals Kriegsflüchtlinge behandelt. Bei uns lagen verwundete Soldaten, an Aids erkrankte Menschen und auch schwangere Frauen, die versorgt werden mussten.

Ärzte Zeitung: Im Schutzanzug herrschen über 30 Grad, die Arbeit ist also auch körperlich sehr anstrengend. Wie bereiten Sie sich auf den Einsatz vor, wenn Sie ausgewählt werden?

Dr. Anne von Bülow: Ja, das kostet körperliche Kraft. Ich würde noch ein paar Kniebeugen mehr als sonst machen - obwohl ich keine Probleme mit meiner Gesundheit habe.

Ich war schon immer sportlich und zum Beispiel als Fechterin aktiv oder habe regelmäßig Gymnastik betrieben. Außerdem würde ich noch mal alles über Ebola lesen, was ich finden kann.

Ärzte Zeitung: Wenn Sie grünes Licht für einen Einsatz bekommen: Welche Arbeitsbedingungen erwarten Sie vor Ort?

Der Weg des Ebola-Virus in Westafrika

Die Ebola-Epidemie in Westafrika sorgt für Tausende infizierte Menschen - und Tausende Tote. Der Ausbruch geht auf ein zweijähriges Mädchen zurück. Zur Chronologie des Ausbruchs.

Dr. Anne von Bülow: Ich halte alles für möglich. Vielleicht muss aus dem Nichts begonnen werden eine Krankenstation zu organisieren, möglicherweise gibt es aber schon eine Behandlungseinrichtung in der man eingesetzt wird.

Bei meinem ersten Einsatz bekamen wir ein Zelt, eine Kiste mit Medikamenten und wurden in ein Flüchtlingscamp gefahren. Und dann hieß es, los geht's, dann macht mal.

Bei meinem zweiten Einsatz, als mich die Organisatoren schon kannten, kam ich in ein Krankenhaus mit 50 Betten, das ich dann leiten sollte.

Mit den Menschen vor Ort habe ich nur positive Erfahrungen gemacht. Man konnte allen anmerken, dass sie froh waren, dass man etwas für sie tut. Wichtig ist, einen guten Zugang zu den Patienten zu finden.

Meistens ist anfänglich immer etwas Skepsis zu spüren. Ein guter Trick ist dann beispielsweise, auf Mütter mit Kind zuzugehen und über Späße ein Lächeln ins Gesicht von ihnen zu zaubern.

Klappt das, hat der Arzt oft auch die anderen Menschen, die auf eine Untersuchung warten, auf seiner Seite.

Ärzte Zeitung: Wie nimmt Ihr persönliches Umfeld Ihre Bewerbung als Freiwillige auf?

Dr. Anne von Bülow: Ich habe noch nicht allen Freunden und Verwandten davon erzählt. Sicher würden einige versuchen, mir mein Vorhaben auszureden.

Aber das Bewerbungsformular für den Einsatz ist ausgefüllt und ich bin fest entschlossen, da zu helfen, wo ich kann.

Meinen Bekannten würde ich, wenn es wirklich los geht, eine Rundmail schreiben: Ich bin dann mal weg!

Das Interview führte Marco Hübner

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