Ärzte Zeitung online, 03.12.2014

Ebola-Epidemie

Bundeswehr-Einsatz im Krisengebiet verzögert sich

Der Einsatz der Bundeswehr für Ebola-Erkrankte in Liberia verzögert sich um zwei Wochen. Grund sind laut Verteidigungsministerium Probleme beim Aufbau des Behandlungszentrums in der Hauptstadt Monrovia.

BERLIN/WASHINGTON. Die Behandlung von Ebola-Patienten durch Freiwillige der Bundeswehr und des Deutschen Roten Kreuzes werde voraussichtlich Mitte Dezember beginnen, also zwei Wochen später als ursprünglich geplant, sagte eine Sprecherin des Verteidigungsministeriums.

Grund für die Verzögerung seien Probleme beim Aufbau des Ebola-Behandlungszentrums in Monrovia durch die Weltgesundheitsorganisation (WHO). Ursprünglich hätten die deutschen Helfer ihre Arbeit in der Krankenstation bereits Ende November aufnehmen sollen.

Die Bundeswehr hat bereits 18 Freiwillige nach Monrovia geschickt. Sie sind dort bisher unter anderem damit beschäftigt sind, lokale Helfer zu schulen.

Die Freiwilligen sind nicht die einzigen deutschen Soldaten, die mit der Hilfsmission in den Ebola-Gebieten betraut sind. Für die Bundeswehr-Luftbrücke und für die Unterstützung der Freiwilligen sind derzeit noch weitere 32 Soldaten im Einsatz. Dazu gehörten auch ein Truppenarzt und Rettungsassistenten, die für die Gesundheitsversorgung der Freiwilligen zuständig sind.

Sie gehen nicht freiwillig nach Westafrika. Der "Tagesspiegel" berichtete am Mittwoch, einige dieser Soldaten seien mit ihrer Entsendung in die Ebola-Gebiete gar nicht einverstanden.

"So etwas kann befohlen werden, diese Soldaten werden aber nicht zur Behandlung von Ebola-Patienten eingesetzt", sagte ein Sprecher des Einsatzführungskommandos in Potsdam.

"Wir haben allerdings auch keine Erkenntnisse, dass sich jemand beschwert hat", fügte er hinzu.

Wirtschaftlicher Schaden größer als gedacht

Der wirtschaftliche Schaden infolge der in Westafrika grassierenden Ebola-Epidemie ist nach Angaben der Weltbank größer als bislang gedacht: Insgesamt betrage der Schaden in diesem und im kommenden Jahr rund zwei Milliarden Dollar (1,61 Milliarden Euro) in den am stärksten betroffenen Ländern Liberia, Sierra Leone und Guinea, teilte die Organisation in Washington mit.

Liberias Bruttoinlandsprodukt (BIP) werde 2014 um 2,2 Prozent zunehmen. Im Oktober hatte die Weltbank das Wachstum noch auf 2,5 Prozent geschätzt - und vor der Krise gar auf 5,9 Prozent. Für 2015 erhöhte sie zwar die Prognose von 1 Prozent auf 3 Prozent.

Allerdings lag die Schätzung vor dem Ebola-Ausbruch bei 6,8 Prozent.

Für Sierra Leone wurde die Wachstumsprognose 2014 von 8 auf 4 Prozent revidiert. 2015 werde die Wirtschaft gar um 2 Prozent schrumpfen. Im Oktober hatte die Weltbank für 2015 noch 7,7 Prozent Wachstum erwartet.

Die Aussichten für Guinea fielen von 2,4 Prozent in diesem Jahr auf 0,5 Prozent. 2015 schrumpfe das BIP um 0,2 Prozent, nachdem im Oktober mit 2 Prozent gerechnet worden. Vor Oktober hatten die Zahlen auch in Sierra Leone und Guinea wesentlich besser ausgesehen.

Ebola-Ausbruch in Spanien überwunden

Unterdessen ist der Ebola-Ausbruch in Spanien von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) offiziell für beendet erklärt worden. Dort hatte sich Ende September eine Pflegehelferin bei der Versorgung eines aus Westafrika eingeflogenen Missionars mit dem Virus infiziert.

Der Missionar starb, die Helferin überlebte die extrem gefährliche Erkrankung jedoch. Die 44-Jährige wurde Anfang November als geheilt aus einem Madrider Krankenhaus entlassen.

Die WHO lobte die "Sorgfalt", mit der Spanien die weitere Ausbreitung des Virus verhindert habe. In spanischen Fachkreisen war allerdings kritisiert worden, dass sich die Helferin in einer Isolierstation überhaupt erst anstecken konnte.

Laut WHO fiel ein zweiter Ebola-Test bei der Patientin am 21. Oktober negativ aus. Da es danach 42 Tage lang keine weiteren Fälle gegeben habe, könne Spanien als frei von Ebola gelten.

Sicherheitshalber waren dort mehr als 230 Kontaktpersonen aus dem Umfeld der Frau für jeweils drei Wochen unter Beobachtung gestellt, 15 von ihnen mussten die Zeit in strenger Quarantäne verbringen. (dpa)

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