Ärzte Zeitung online, 12.12.2014

Sierra Leone

WHO-Team entdeckt Dutzende Ebola-Leichen

Mitarbeiter der Weltgesundheitsorganisation haben in einem Krankenhaus im abgeschiedenen Osten Sierra Leones 87 hochansteckende, aber ohne ausreichende Sicherheitsvorkehrungen gelagerte Ebola-Tote gefunden.

FREETOWN. "Sie fanden eine grauenvolle Situation vor", teilte die WHO nach dem Fund von Dutzenden Ebola-Toten in einem Krankenhaus Sierra Leones mit.

Die Spezialisten begruben insgesamt 87 Leichen, die ohne adäquate Sicherheitsvorkehrungen gelagert worden waren.

Der Fund nährte auch Befürchtungen, dass die Zahl der Ebola-Fälle in den betroffenen westafrikanischen Ländern weit höher sein könnte als offizielle Statistiken nahelegen.

Bislang nur 119 Fälle gemeldet

Der an Guinea angrenzende Diamant-reiche Bezirk Kono hatte seit Ausbruch der Epidemie im März bislang nur 119 Ebola-Fälle gemeldet, wie die WHO mitteilte.

Der Leiter des Seuchenbekämpfungszentrums von Sierra Leone sagte laut WHO, der Fund lege nahe, dass offizielle Statistiken nur die Spitze des Eisbergs zeigten.

In Westafrika sind laut WHO bereits fast 6400 Menschen an Ebola gestorben.

Deutscher Ebola-Beauftragter: "Keine Entwarnung"

Der Ebola-Beauftragte der Bundesregierung, Walter Lindner, sieht bei der Bekämpfung der Seuche unterdessen noch keinen Grund zur Entwarnung. "Für Entwarnung ist es noch wesentlich zu früh", sagte Lindner der Deutschen Presse-Agentur.

Die Epidemie habe sich zuletzt in Westafrika zwar nicht so ausgebreitet wie befürchtet. Trotzdem müsse die internationale Gemeinschaft auch für neue Rückschläge gewappnet sein.

Deutschland hat zur Bekämpfung der Seuche insgesamt mehr als 161 Millionen Euro zur Verfügung gestellt. Die Bundeswehr brachte mit Transall-Transportmaschinen etwa 250 Tonnen Hilfsgüter in die drei besonders betroffenen Länder Liberia, Guinea und Sierra Leone.

In Liberia sind aktuell etwa drei Dutzend Freiwillige vom Bundeswehr und Deutschem Roten Kreuz (DRK) im Einsatz. Sie helfen beispielsweise Krankenhäusern bei Ebola-Tests und bei der Ausbildung von einheimischen Helfern.

"Das hat schon Menschenleben gerettet", sagte Lindner. Für die geplante Eröffnung eines eigenen deutschen Behandlungszentrums in Monrovia, der Hauptstadt von Liberia, gibt es allerdings noch keinen konkreten Termin.

Das Behandlungszentrum werde aber "in wenigen Tagen betriebsbereit" sein, versprach der ehemalige deutsche Botschafter in Kenia. "Die letzten Arbeiten werden gerade gemacht." Ursprünglich hätte die Krankenstation Ende November öffnen sollen.

In Monrovia stehen Betten leer

In Monrovia stehen jetzt schon Betten für Ebola-Patienten leer, weil die Zahl der Neuerkrankungen zuletzt nicht mehr so stark stieg. Pro Woche gibt es in Liberia derzeit noch etwa 20 Neuinfektionen.

Lindner warnte jedoch davor, bei den Anstrengungen zur Eindämmung der Epidemie nachzulassen. "Noch weiß niemand genau, wie sich die Fallzahlen entwickeln werden. Noch hat niemand ein Allheilmittel - wir können nicht ausschließen, dass die Zahl der Neuerkrankungen wieder nach oben geht."

Experten fürchten, dass es durch die vielen Familientreffen an den bevorstehenden Feiertagen neue Infektionen gibt. (dpa)

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