Ärzte Zeitung online, 20.04.2015

Ebola

13 Liter an einem Tag substituiert

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Die Ebola-Epidemie in Westafrika hat auch deutsche Ärzte in Schach gehalten. Auf dem Internistenkongress berichten mehrere Mediziner über die Behandlung von Ebola-Infizierten und neuen Entwicklungen auf der Suche nach einem Impfstoff.

MANNHEIM. Liberia zählt die Tage: Derzeit werden dort keine Neuinfektionen gemeldet. Hält dies über die doppelte Inkubationszeit von Ebola (zwei bis 21 Tage) an, also 42 Tage, gilt das Land als Ebola-frei.

Nigeria ist bereits frei von Ebola, in Sierra Leone sind zuletzt nur noch neun Ebola-Neuinfektionen in einer Woche gemeldet worden, in Guinea noch 22. Das Schlimmste scheint überstanden.

Dr. Matthias Grade, Chefarzt des Christlichen Krankenhauses Quakenbrück, war im Herbst 2014 in Liberia. Er zeigte sich schockiert.

In den von der Ebola-Epidemie betroffenen westafrikanischen Ländern sei die medizinische Versorgung sowieso unzureichend, viele Menschen seien durch Bürgerkriege traumatisiert. "Und dann kam noch Ebola", sagte er auf dem Internistenkongress in Mannheim.

Immerhin lag die Mortalität in diesen Ländern bei der aktuellen Epidemie mit etwa 50 Prozent unter dem, was von früheren Ebola-Ausbrüchen aus zentralafrikanischen Regionen berichtet wurde.

"Ebola ist eine behandelbare Erkrankung", betonte Grade die Konsequenz, "das fällt in der öffentlichen Diskussion oft unter den Tisch".

Jeder Vierte stirbt an Ebola

Die in Europa oder den USA behandelten Patienten haben sogar noch bessere Überlebenschancen. Etwa ein Viertel erliegt hier den Folgen der Viruserkrankung.

Hauptsymptome sind nicht etwa Blutungen, sondern eher ein Leckwerden der Kapillaren (capillary leakage). Nichtblutige Durchfälle sind deshalb ein größeres Problem als blutige.

Beim ersten in Deutschland - am Hamburger Universitätsklinikum - behandelten Patienten betrug die Durchfallmenge an einem Tag 8,5 Liter und es wurden 13 Liter Flüssigkeit substituiert, berichtete Professor Marylyn Addo, Leiterin der Sektion Tropenmedizin dort. Das ist in Westafrika natürlich nicht möglich.

Unklar ist noch, wie hoch die Ansteckungsgefahr bei Rekonvaleszenten ist. Bisher wird zum Beispiel von der WHO mindestens drei Monate nach Rekonvaleszenz ein geschützter Geschlechtsverkehr empfohlen.

Untersuchungen bei einem in Frankfurt am Main erfolgreich behandelten Arzt aus Uganda, der sich bei seinem Einsatz in Sierra Leone angesteckt hatte, zeigen aber, dass auch noch nach sechs Monaten Viruspartikel im Sperma nachzuweisen sind.

Zehn Impfstoffe in der Entwicklung

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Dr. Timo Wolf, der diesen Patienten in Frankfurt betreute, vermutet daher eine entsprechende Verlängerung der WHO-Empfehlung.

Addo ist auch beteiligt an der Prüfung eines Ebola-Impfstoffs. Ein Tot- und ein Lebendimpfstoff haben bereits in Phase-I-Prüfungen eine gute Immunität und Sicherheit gezeigt und werden jetzt in Phase-II- und -III-Studien geprüft. Insgesamt zehn Impfstoffe sind inzwischen in der Entwicklung.

Ein Problem haben jetzt aber alle Impfstoffe: Wenn kaum mehr Patienten erkranken, wird der Nachweis der Wirksamkeit des Impfstoffs im Rahmen von Phase-II-Prüfungen schwierig.

Eins ist jedoch klar: Das nächste Mal ist die Weltgemeinschaft besser auf eine solche Epidemie vorbereitet. Bis zu dieser Ebola-Epidemie waren bei früheren Krankheits-Ausbrüchen ja nicht mehr als 400, meistens weniger als 200 Menschen betroffen.

"Da war Impfstoffentwicklung einfach kein Thema", so Addo. Das ist jetzt anders. (fk)

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