Ärzte Zeitung, 23.02.2004

Handlungsbedarf auch bei normalen Leberwerten

Hepatitis-C-Patienten mit GPT im Normbereich müssen engmaschig überwacht werden / Oft ist Therapie zu erwägen

FRANKFURT/MAIN (eis). Fehlende Transaminasenerhöhung ist bei Hepatitis C kein Garant für einen blanden Verlauf. "Man darf die Patienten nicht ohne weitere Kontrolle nach Hause schicken", sagt Professor Stefan Zeuzem aus Homburg/Saar. Und: Trotz anders lautender Empfehlungen würde er viele solcher Patienten antiviral behandeln.

Etwa jeder dritte Patient mit chronischer Hepatitis C hat normale Leberwerte, trotzdem ist bei ihnen eine signifikante Leberschädigung möglich. "Solche Patienten müssen zumindest engmaschig überwacht werden, das heißt zwei- bis viermal im Jahr die GPT-Werte bestimmen", sagte Zeuzem bei einer Veranstaltung des Unternehmens Hoffmann-La Roche.

Nach seinen Angaben haben bis zu 30 Prozent der Patienten mit normalen Transaminasen bereits eine relevante Fibrosierung. Trotz bisher anders lautender Empfehlungen hält Zeuzem daher häufig auch bei normalen GPT-Werten eine Therapie für angebracht. So berichtete der Gastroenterologe von einem 62jährigen Hepatitis-C-Patient mit hochnormaler GPT (8 bis 10 IU/ml), aber erhöhter Gamma-GT. Die Biopsie erbrachte eine Frühform der Leberzirrhose und damit die Indikation zur Therapie.

Aber auch bei guten Chancen für eine Viruselimination würde Zeuzem bei Hepatitis C trotz normaler Transaminasen behandeln, etwa bei einer 23jährigen Frau, die mit Virustyp 2 infiziert ist. Durch eine 24wöchige Therapie mit pegyliertem Interferon (etwa Pegasys®) plus Ribavirin (etwa Copegus®) könne sie heute mit einer Chance von 80 bis 90 Prozent virusfrei werden. "Keine Therapie wäre hier ein Kunstfehler", so Zeuzem.

Wie aber können Hausärzte Hepatitis-C-Patienten ohne spezifische Symptome und ohne erhöhte Leberwerte in der Praxis überhaupt erkennen? Zeuzem sprach sich dafür aus, bei Patienten mit Infektionsrisiken in der Anamnese wie Bluttransfusionen oder großen Operationen vor 1991 oder auch Drogenkontakt oder häufige Sexualpartner großzügig nach Hepatitis C aber auch nach Hepatitis B und HIV zu screenen. "Das ist hervorragend investiertes Geld."

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Zahl der Behandlungsfehler stagniert

"Fehler passieren, auch in der Medizin. Aber die Wahrscheinlichkeit, dass Patienten durch einen Behandlungsfehler zu Schaden kommen, ist extrem gering." So lautete das Fazit von Dr. Andreas Crusius bei der Vorstellung der Behandlungsfehlerstatistik. mehr »

Naturvolk mit erstaunlich gesunden Gefäßen

In einer geradezu heroischen Studie haben US-Forscher Eingeborene der Amazonas-Region zur Calcium-Score-Messung in einen CT-Scanner geschoben. Noch nie wurde ein Volk mit so gesunden Arterien beschrieben. mehr »

Dann ist ein Hausbesuch abrechenbar

Die vollständige und vor allem korrekte Abrechnung der so genannten Leichenschau stellt Ärzte immer wieder vor Probleme. Beispielsweise stellt sich die Frage nach der eigenständigen Berechnung des Hausbesuchs. mehr »