Ärzte Zeitung, 06.07.2004

Bei Zirrhose sind Tests der Hirnleistung wichtig

Hepatische Enzephalopathie ist viel häufiger als bislang angenommen / Symptome mit Therapie reversibel

MAGDEBURG (gwa). Jeder Patient mit Leberzirrhose sollte viertel- bis halbjährlich auf hepatische Enzephalopathie (HE) getestet werden. Sonst fahren etwa Patienten mit verminderter Reaktionsfähigkeit Auto oder bedienen Maschinen.

Reaktions- oder Konzentrationsstörungen kommen oft bereits bei leichten, auf den ersten Blick schwer erkennbaren HE-Formen vor. Bis zu 80 Prozent der eine Million Patienten mit Zirrhose in Deutschland sind betroffen; jeder zweite hat aber nur leichte, schwer erkennbare Symptome.

HE ist übrigens potentiell reversibel. Als Therapie sind etwa Medikamente etabliert, die die Ammoniakkonzentration im Blut oder die Resorption im Darm mindern.

Die HE-Prävalenz bei chronisch Leberkranken wird mit 30 bis 70 Prozent angegeben. Bei dekompensierter Zirrhose, etwa mit Ikterus, Aszites und gastrointestinalen Blutungen, kommt eine HE sogar noch häufiger vor. Das ergibt eine Langzeit-Untersuchung des Internisten Dr. habil. Kurt Grüngreiff aus Magdeburg bei 193 dekompensierten Patienten (Verdauungskrankheiten 6, 2004, 253).

83 Prozent der Patienten hatten mindestens einmal eine HE. Jeder Zweite hatte eine auf den ersten Blick schwer erkennbare Form mit nur geringer Störung der Feinmotorik oder reduzierter Konzentrations- und Reaktionsfähigkeit.

Grüngreiff empfiehlt, Patienten mit Leberzirrhose viertel- bis halbjärhlich auf HE zu testen. Das geht auch in der Praxis leicht, etwa mit psychometrischen Tests (Liniennachfahr- oder Zahlenverbindungstests). Geeignet ist auch die Flimmerfrequenz-Analyse.

Übrigens: Schauen Sie doch mal in die Sommer-Akademie. Mit den Beiträgen zum Thema Leberkrankheiten können Sie dort Fortbildungspunkte sammeln zur Sommer-Akademie

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Antibiotika gegen Rückenschmerzen

Verursachen Bakterien heftige Bandscheiben-Beschwerden? Für Forschungen zur Behandlung von Rückenschmerzen mit Antibiotika wurde jetzt der Deutschen Schmerzpreis verliehen. mehr »

QuaMaDi wird fortgesetzt

Aufatmen im Norden: KV und Kassen haben sich auf den Fortbestand des Brustkrebsfrüherkennungsprogramm QuaMaDi geeinigt. mehr »

Ethikrat sucht nach dem goldenen Mittelweg

Wann ist eine medizinische Zwangsbehandlung fürsorglicher Schutz, wann ein unangemessener Eingriff? Diesen Fragen widmet sich aktuell der Deutsche Ethikrat. mehr »