Ärzte Zeitung, 20.10.2004

Infektionen nach Verletzung mit Kanülen sind meist zu verhindern

Prophylaxe von HIV- und HBV-Infekten / Frühtherapie gegen HCV sehr wirksam

HOMBURG/SAAR (eis). Etwa eine halbe Million Nadelstichverletzungen gibt es jedes Jahr in deutschen Praxen und Kliniken. Jedes Mal muß überprüft werden, ob HIV, Hepatitis-B- (HBV) oder Hepatitis-C-Viren (HCV) übertragen worden sind. Erhärtet sich der Verdacht, lassen sich Infekte durch Prophylaxe vermeiden (HIV, HBV) oder durch frühe Therapie die Chronifizierung (HCV) weitgehend verhindern.

Nach beruflichem Kontakt mit einer potentiell infektiösen Flüssigkeit muß ein D-Arzt-Verfahren eingeleitet werden, wie Professor Stefan Zeuzem aus Hombur/Saar und seine Kollegen erinnern (Der Orthopäde 2, 2004, 231). Sowohl der Patient - von dem die Flüssigkeit stammt - als auch der Exponierte müssen auf HBsAg sowie auf Anti-HBV- und Anti-HCV-Antikörper untersucht werden.

Empfohlene Untersuchungen nach beruflicher Exposition
Vorgehen nach Kontakt mit Hepatitis B-, C- oder HIV-positiven Körperflüssigkeiten
  Wochen Monate
0 2 4 6 3 6 12
anti-HIV
x
x
x
x
(x)
HBsAg
x
x2)
x2)
x2)
x2)
anti-HCV*
x
x2)
x2)
x2)
x2)
Ärztliche Untersuchung
x
x
x
Medikamentenanamnese
x1)
x1)
x1)
Blutbild
x
x
x
Transaminasen, GGt, AP
x
x
x
x3)
x3)
Kreatinin, Harnstoff
x
x
x
Blutzucker
x
x
x

* Zusätzlich empfehlen wir die Bestimmung der HCV-RNA nach 4 bis 6 Wochen sowie bei einem Anstieg der Transaminasen
1) Wechselwirkung mit Postexpositions-Prophylaxe
2) Falls indiziert / falls Exposition vorlag
3) Kontrolle im Falle einer HBV-/HCV-Exposition

Quelle: Der Orthopäde 2/2004, Tabelle: ÄRZTE ZEITUNG
Bestätigt sich bei einer Nadelstichverletzung der Verdacht, daß infektiöses Blut übertragen wurde, dann sind regelmäßige Untersuchungen erforderlich.

Als Erstmaßnahme wird zudem empfohlen, den Blutaustritt durch Druck auf das umliegende Gewebe zu fördern und gleichzeitig intensiv antiseptisch zu spülen. Am höchsten ist die Infektionsgefahr bei HBV: Abhängig von der Art der Erregeraufnahme oder der Virusmenge im kontaminierenden Blut kann es bei bis zu 30 Prozent der Verletzungen zum Infekt kommen.

Wer mit Patienten arbeitet, sollte daher gegen HBV geimpft sein. Bei Kontakt einer ungeimpften Person mit HBV ist binnen 24 Stunden eine Postexpositionsprophylaxe mit Impfung und Injektion von Immunglobulin nötig. Eine HBV-Infektion chronifiziert bei unter fünf Prozent der immunkompetenten Erwachsenen; eine antivirale Therapie bei akutem Infekt wird daher nicht empfohlen.

Das Risiko einer HCV-Infektion nach Nadelstichverletzung liegt zwischen 1,5 und 3 Prozent. Bei einer Infektion kann HCV-RNA bereits zehn Tage nach der Verletzung nachgewiesen werden. Da 60 bis 80 Prozent der Infektionen chronisch werden, empfiehlt Zeuzem frisch infizierten Patienten eine Therapie mit Interferon- alfa über 24 Wochen. Die Behandlung sollte binnen vier Monaten nach der Verletzung begonnen werden. In einer Studie ließ sich hierdurch bei 98 Prozent der Patienten eine Chronifizierung der Infektion verhindern.

Das Risiko einer HIV-Infektion durch Nadelstichverletzung beträgt etwa 0,3 Prozent. Dieses Risiko läßt sich durch eine medikamentöse Prophylaxe weiter drastisch verringern. Die Prävention sollte so früh wie möglich begonnen werden und dauert in der Regel 28 Tage. Als Standard wird die Kombination von zwei Reverse-Transkriptase-Hemmern plus ein Protease-Hemmstoff empfohlen.

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