Ärzte Zeitung, 02.02.2005

Die Diagnose Leberzirrhose gelingt am sichersten laparoskopisch

Mini-Laparoskope sind 1,9 mm dünn / Studie am Klinikum der Stadt Ludwigshafen

LUDWIGSHAFEN (gwa). Eine Leberbiopsie allein reicht nicht aus, um eine Leberzirrhose sicher zu diagnostizieren. Das gilt vor allem für frühe Stadien und bei grobknotigen Veränderungen. Bei Verdacht auf eine Zirrhose ist eine Laparoskopie erforderlich. Wenig traumatisierende Laparoskope mit einem Durchmesser von 1,9 mm (Mini-Laparoskop) reichen für die Diagnostik vollkommen aus.

Blick durch ein Mini-Laparoskop auf eine Leber: Man erkennt eine grobknotige Leberzirrhose. Foto: Weickert
Sonographie: Ohne den Ascites würde die feinknotige Leberzirrhose kaum auffallen. Foto: Dirks, www.sonoweb.de

Zu diesem Schluß kommen Dr. Uwe Weickert vom Klinikum der Stadt Ludwigshafen und seine Kollegen aufgrund ihrer Studie mit 425 Patienten. Die Patienten waren ins Klinikum geschickt worden mit dem Verdacht auf eine Leberkrankheit. Der Verdacht hatte sich etwa aufgrund der Anamnese, der Leberwerte oder eines Ultraschalls ergeben. Die häufigsten Überweisungsgründe waren Alkoholkrankheit (152 Patienten), Lebererkrankung unklarer Genese (123 Patienten) sowie Virushepatitis (107 Patienten).

Alle Patienten wurden laparoskopiert, entweder mit einem Standard-Laparoskop (Durchmesser 10 mm), einem Midi- (3,3 bis 3,5 mm) oder einem Mini-Laparoskop (1,9 mm). Dabei wurden jeweils auch Leberbiopsien entnommen (Z Gastroenterol 43, 2005, 17). "Der Pathologe erhielt Informationen zur Grunderkrankung; ihm wurde aber der laparoskopische Befund nicht mitgeteilt", sagte Weickert zur "Ärzte Zeitung" .

Fast jede Leberzirrhose wurde laparoskopisch erkannt

96 Prozent der 222 Patienten mit der endgültigen Diagnose Leberzirrhose wurden laparoskopisch erkannt, histologisch aber nur 68 Prozent. Bei beginnender Zirrhose, also im frühen Stadium Child A, schnitt die Laparoskopie mit 94 Prozent im Vergleich zu 58 Prozent mittels Histologie noch besser ab. Welches Laparoskop genommen wurde, war egal: Die Diagnosesicherheit war zum Beispiel mit den Mini-Laparoskopen ähnlich gut wie mit den Standardgeräten.

Daß die Laparoskopie der Histologie überlegen ist, steht für Weickert aufgrund vieler Studien außer Frage. Aber: "Viele Ärzte haben noch die Auffassung, daß eine Ultraschall-gezielte Leberbiopsie reicht, weil der Pathologe das letzte Wort bei der Diagnose Leberzirrhose hat. Das hat er aber nur, wenn er das ganze Organ untersuchen kann, zum Beispiel bei einer Obduktion oder nach einer Extransplantation", sagte Weickert. "Untersucht der Pathologe einen Gewebezylinder, hat er nur einen kleinen Ausschnitt und muß daraus auf das ganze Organ schließen. Und das gelingt bei weitem nicht immer."

Das Problem bei einer Leberzirrhose ist, daß die bindegewebigen Umbauten, die zur Zerstörung von Leberarchitektur und Funktion führen, nicht gleichmäßig das ganze Organ erfassen. Gerade zu Beginn gibt es neben feinen oder groben zirrhotischen Knoten noch Areale mit ziemlich normalem Gewebe. Trifft man mit der Biopsienadel ein solches Areal, hat man die Diagnose verfehlt.

Betroffene erhalten Screening auf hepatozelluläres Karzinom

Ob ein Patient etwa mit Virus-Hepatitis C eine Zirrhose hat, ist wichtig zu wissen. Für Betroffene bietet das Klinikum ein Früherkennungsprogramm für hepatozelluläre Karzinome (HCC) an. "Dabei wird halbjährlich die Leber sonographiert und das alpha-Fetoprotein im Blut bestimmt," so Weickert. Bei Leberzirrhose beträgt das jährliche Risiko, ein HCC zu entwickeln, bis zu vier Prozent (Inzidenz sonst: zwischen drei und neun pro 100 000).

STICHWORT

Child-Stadien bei Leberzirrhose

Die Leberzirrhose wird in drei Stadien eingeteilt. Diese Stadien werden nach den Ärzten, die die Kriterien für diese Einteilung bestimmten, Child-Turcotte-Purgh-Stadien oder kurz Child genannt. Es gibt drei Stadien A, B und C.

Zur Stadien-Einteilung werden fünf Parameter herangezogen: die Serumwerte von Bilirubin und von Albumin, Vorhandensein und Ausmaß von Ascites und Enzephalopathie und INR- oder Quick-Wert. Pro Parameter gibt es ein bis drei Punkte (ein Punkt für normal oder nicht vorhanden; zwei Punkte für mäßige, drei Punkte für massive pathologische Veränderungen.) Es gibt also mindestens fünf Punkte (günstig) und höchstens 15 Punkte (ungünstig). Fünf bis sieben Punkte ergeben Child A, acht bis zehn Child B, bei über elf Punkten ist die Leberzirrhose im Stadium C. (gwa)

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