Ärzte Zeitung, 15.02.2005

Erster Erfolg mit einem eßbaren Impfstoff gegen Hepatitis B

Auffrischimpfung mit gentechnisch veränderten Kartoffeln gelungen

ITHACA (mut). Wohl bekomm‘s: Eine Impfung gegen Hepatitis B ist offenbar auch mit rohen Kartoffeln möglich. Zumindest mit solchen, die ein Antigen von Hepatitis-B-Viren enthalten. Mit derart genmanipulierten Kartoffeln ließ sich in einer Pilotstudie der Impfschutz bei den meisten Teilnehmern wieder auffrischen.

So könnte bald eine Hepatitis-B-Impfung mit einer gentechnisch veränderten Kartoffel aussehen. Foto: sth

Damit wiesen US-Forscher aus Ithaca erstmals in einer klinischen Studie nach, daß man sich mit einer Mahlzeit aus gentechnisch veränderten Lebensmitteln gegen Hepatitis B immunisieren kann. Die eßbare Vakzine ist besonders für Entwicklungsländer interessant: Die Impf-Kartoffeln könnten kostengünstig angebaut und längere Zeit gelagert werden.

Um die Vakzine zu erzeugen, bauten die Forscher DNA für das Hepatitis-B-Oberflächen-Antigen (HBs-Ag) in das Genom von Kartoffelpflanzen ein. Die Pflanzen produzierten darauf das Virus-Protein in hohen Konzentrationen in den Knollen, berichtet heute die Online-Ausgabe der Zeitschrift "PNAS".

Die Forscher prüften die Kartoffeln zunächst bei 42 Personen, die in ihrer Vergangenheit bereits parenteral gegen Hepatitis B geimpft worden waren. Sie wollten schauen, ob mit dem Gemüse eine Auffrischimpfung möglich ist. Die Teilnehmer mußten alle 14 Tage jeweils eine 100g-Portion roher Kartoffeln essen. Immerhin: Die Knollen durften vor der Mahlzeit geschält werden, denn toxische Substanzen in rohen Kartoffelschalen können für Magengrimmen sorgen.

Die Teilnehmer aßen entweder normale Kartoffeln, oder zwei bis drei Portionen Impf-Kartoffeln. Das Ergebnis: Bei zehn von 16 Teilnehmern mit drei Portionen Impf-Kartoffeln kam es zu einem deutlichen Anstieg des HBs-Antigen-Titers. Vier Teilnehmer erreichten Werte, wie sie mit einer konventionellen Vakzine möglich sind.

Bei neun von 17 Teilnehmern mit zwei Portionen der Impf-Knollen kam es zu einem deutlichen, aber nicht ganz so starken Anstieg der Antigen-Titer. Mit den Placebo-Kartoffeln änderten sich die Titer dagegen nicht. Die Forscher wollen die Vakzine jetzt bei noch ungeimpften Personen testen.

Lesen Sie dazu auch den Hintergrund:
In vielen Dörfern könnte es bald einen Garten mit Impf-Gemüse geben

Lesen Sie dazu auch den Kommentar:
Ein Herz für die Impf-Kartoffel

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Hohes Sterberisiko bei Ausbruch in der Adoleszenz

Wenn sich Typ-1-Diabetes in einem besonders vulnerablen Alter manifestiert, brauchen Betroffene viel Aufmerksamkeit. Sie haben ein hohes Risiko, an Komplikationen zu sterben. mehr »

100 Prozent Zustimmung

Die KBV-Vertreterversammlung präsentiert sich in neuer Einigkeit und richtet die Speere – wieder – nach außen. Klare Kante gegenüber dem Gesetzgeber und den Krankenhäusern. "Wir sind auf Kurs", meldete KBV-Chef Gassen. mehr »

Herz-Kreislauf-Risiko von Anfang an im Blick behalten!

Bei RA-Patienten sind Herz-Kreislauf-Erkrankungen die wichtigste Todesursache. Die aktuellen Therapiealgorithmen zielen nicht zuletzt darauf ab, die Steroidexposition zu begrenzen. mehr »