Ärzte Zeitung, 20.07.2005

Meist vergehen neun Jahre, bis eine Hepatitis C erkannt wird

Unspezifische Symptome zu Beginn / Verzögerung der Therapie kostet Lebensjahre

WIESBADEN (nsi). Patienten mit chronischer Hepatitis C bilden pro Tag bis zu elf Milliarden Viruspartikel. Dafür verbraucht der Körper viel Energie, was in den frühen Phasen der Infektion die Lebensqualität der Betroffenen stark einschränkt. Hausärzte hören dann häufig Sätze wie: "Ich bin ständig kraftlos und müde, ich habe das Gefühl, mit anderen Menschen nicht mehr so gut umgehen zu können, ich bin körperlich und geistig einfach weniger fit".

Blutabnahme für die Untersuchung auf Hepatitis C. Initial werden Tests auf HCV-Antikörper empfohlen. Foto: klaro

So unspezifisch können die Symptome einer Hepatitis C jahrelang bleiben, hat Professor Siegbert Rossol vom GPR-Klinikum Rüsselsheim berichtet. Die Chance für die Patienten bestehe darin, daß ihre Ärzte trotzdem dabei an die Möglichkeit einer Hepatitis C denken.

Oberbauchschmerzen könnten ein zusätzlicher Hinweis sein. "Patienten mit Hepatitis C haben eine deutlich schlechtere Lebensqualität als zum Beispiel Hepatitis-B-Infizierte", sagte Rossol bei einer von Hoffmann-La Roche unterstützten Veranstaltung in Wiesbaden.

Nur jeder Vierte mit Hepatitis C weiß von der Infektion

In Deutschland gebe es 500 000 bis 800 000 chronisch Hepatitis-C-Infizierte. Nur bei etwa jedem Vierten davon sei die Infektion bekannt und weniger als jeder Zehnte werde therapiert, sagte Rossol. "Eine chronische Hepatitis C heilt ohne Behandlung nie aus", erinnerte der Internist.

Ein Screening auf Hepatitis-C-Infektionen fehle bislang, und so dauere es meist neun bis zwölf Jahre, bis die Diagnose gestellt sei. Durch eine verzögerte Therapie aber verlieren die Patienten nicht nur Lebensqualität, sondern auch bis zu 5,5 Jahre Lebenszeit.

Die HCV-bedingte Sterblichkeit werde in den nächsten Jahren ohne angemessene Therapie noch zunehmen, da es von den 60er bis zu den 90er Jahren im Vergleich zu den Jahren davor und danach höhere Infektionsraten gegeben habe. HCV-bedingte Leberschäden seien inzwischen die häufigste Ursache für Lebertransplantationen.

Mehr als 60 Prozent der HCV-Patienten würden heute durch eine Therapie mit pegyliertem Interferon alfa plus Ribavirin dauerhaft von dem Virus befreit (kein Virus nachweisbar sechs Monate nach Therapieende) und damit geheilt, sagte Professor Holger Hinrichsen vom Universitätsklinikum Schleswig-Holstein in Kiel bei der Veranstaltung des Unternehmens Hoffmann-La Roche.

Prognose hängt vom HCV-Genotyp ab

Die Heilungsraten seien abhängig vom HCV-Genotyp: Beim Virustyp 2 oder 3, der bei etwa einem Drittel der Patienten festgestellt werde, lägen die Heilungsraten nach einer 24wöchigen Behandlung bei 80 Prozent, für Patienten mit Virustyp 1, zu denen mehr als die Hälfte der Infizierten gehörten, lägen die Chancen für eine Viruselimination nach 48 Wochen Behandlung bei 50 Prozent. Für die Therapie bietet Roche pegyliertes Interferon alfa-2a (Pegasys®) und Ribavirin (Copegus®) an.

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