Ärzte Zeitung, 01.03.2006

GASTKOMMENTAR

Paradigmenwechsel bei Hepatitis C

Von Thomas Berg

Es gibt einen Paradigmenwechsel in der Therapie bei Hepatitis C, sagt Privatdozent Thomas Berg aus Berlin. Inzwischen wird ein früher Behandlungsbeginn favorisiert. Foto: privat

Die erheblichen Fortschritte in der Behandlung von Patienten mit chronischer Hepatitis-C-Virus-(HCV)-Infektion haben dazu geführt, die Therapie-Indikation großzügiger zu stellen. Mit dem Paradigma, die belastende Therapie erst spät im Krankheitsverlauf zu beginnen, wurde gebrochen. Vielmehr wird heute ein früher Therapiebeginn favorisiert.

So werden bei Patienten mit Infektion durch den HCV-Genotyp 1 inzwischen Heilungsraten von etwa 50 Prozent erzielt, wenn die Therapie über 48 Wochen durchgeführt wird.

Diese Prognose kann aber verbessert werden, wenn die Behandlung frühzeitig im chronischen Verlauf der Erkrankung begonnen wird: Patienten, die unter 40 Jahre alt sind und noch keine fortgeschrittene Lebererkrankung ausgebildet haben (geringes Fibrosestadium in der Leberhistologie), zeigen mit etwa 60 bis 70 Prozent günstige dauerhafte Responsraten.

Mit zunehmendem Lebensalter und fortschreitendem Fibrosestadium sinkt jedoch die Wahrscheinlichkeit, eine Heilung zu induzieren, signifikant (auf bis zu 20 Prozent). Auch die Verträglichkeit der antiviralen Kombinationstherapie nimmt mit zunehmendem Alter und Schweregrad der Erkrankung ab. Das verschlechtert die Compliance.

Vor diesem Hintergrund ist es nicht mehr gerechtfertigt, mit der Therapie erst bis zur Ausbildung schwerer (irreversibler?) Leberschädigungen zu warten, wie in einigen Leitlinien empfohlen. Dies trifft umso mehr zu, wenn der Patient zur Therapie motiviert ist.

Durch die effektive Therapie können Langzeitkomplikationen der chronischen Hepatitis C wie Zirrhose und hepatozelluläres Karzinom verhindert werden. Patienten mit chronischer HCV-Infektion sind im präzirrhotischen Stadium meist asymptomatisch oder schildern nur uncharakteristische Beschwerden.

Bei geringstem Verdacht sollte daher in der hausärztlichen Praxis eine entsprechende Diagnostik erfolgen. Bei allen Patienten mit erhöhten Transaminasen sollte auf jeden Fall zumindest einmal ein Test sowohl auf HCV-Antikörper als auch auf Hepatitis-B-Oberflächenantigen erfolgen.

Privatdozent Thomas Berg ist Oberarzt an der Charité, in der Medizinischen Klinik mit Schwerpunkt Hepatologie und Gastroenterologie, Interdisziplinäres Stoffwechsel Centrum / Endokrinologie und Diabetes Mellitus, Universitätsmedizin Berlin, Campus Virchow-Klinikum.

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