Ärzte Zeitung, 06.06.2006

Chronische Hepatitis-B-Infektionen sind bei Migranten häufig

Prävalenz der Erkrankung bei Aussiedlern fünfmal höher als in Gesamtbevölkerung / Fast jeder zehnte in Deutschland lebende Türke ist betroffen

WIESBADEN (grue). In Deutschland haben mehr als eine halbe Million Menschen eine chronische Hepatitis B. Besonders häufig kommt die Infektionskrankheit bei Aussiedlern und bei Menschen aus der Türkei vor. Patienten mit Entzündung und Fibrose der Leber brauchen eine Therapie.

Ziel sind Hepatozyten: Hepatitis-B-Viren. Für chronisch HBV-Infizierte gibt es Therapie-Optionen. Foto: Gilead

Die an chronischer Hepatitis B erkrankten Menschen sind zu fast 60 Prozent hier geborene Deutsche, zu 18 Prozent Aussiedler und zu 22 Prozent nicht in Deutschland geborene Ausländer. Die Prävalenz der Hepatitis B ist mit 3,5 Prozent bei den Aussiedlern fünfmal höher als in der Gesamtbevölkerung (DMW 130, 2005, 2753). "Besonders häufig ist eine Hepatitis B außer bei Migranten bei homosexuellen und drogenabhängigen Menschen, deshalb sollten diese und weitere Risikogruppen auf Hepatitis B untersucht und wenn möglich dagegen geimpft werden", sagte Professor Hanns Löhr aus Wiesbaden bei einer Veranstaltung des Unternehmens Gilead zum Internisten-Kongreß.

Kritisch sei die Situation bei den in Deutschland lebenden Türken: Fast 40 Prozent haben eine Hepatitis-B-Infektion durchgemacht und neun Prozent seien chronisch mit dem Virus infiziert. Chronische Krankheitsverläufe sind bei kleinen Kindern häufig, bei Erwachsenen eher selten. Handlungsbedarf besteht, wenn die Transaminasen erhöht sind und die Gefahr einer Zirrhose besteht.

"Das Zirrhose-Risiko bei einer Hepatitis B ist hoch, wenn die Leber entzündet und fibrosiert ist, die Viren sich schnell vermehren, der Patient zusätzliche chronische Virusinfektionen hat oder viel Alkohol trinkt", sagte Löhr. Bei Verdacht auf Virushepatitis läuft eine etwas umfangreichere Diagnostik an. Dann wird - falls nötig - mit einer antiviralen Therapie begonnen. Dafür stehen Interferon-alpha, Lamivudin und Adefovir zu Verfügung.

Welches Medikament in Frage kommt, richtet sich unter anderem nach dem Hepatitis-Be-Antigen-Status (HBeAg). Für HBe-Ag-negative Patienten ist das Nukleotidanalogon Adefovir (Hepsera®) besonders gut geeignet, weil es dagegen wenig Resistenzen gibt und auch gegen Lamivudin unempfindliche Viren damit erfaßt werden, so Löhr.

Weitere Informationen im Internet:
www.kompetenznetz-hepatitis.de
www.leberhilfe.org

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