Ärzte Zeitung, 28.09.2007

Koinfektion mit HCV und HIV ist eine Herausforderung

Weniger als zehn Prozent der Koinfizierten werden gegen HCV behandelt

BOCHUM (otc). Bislang erhält in Europa nicht einmal jeder zehnte Patient, der mit HCV und HIV-koinfiziert ist, eine Therapie gegen das Hepatitis-Virus. Gründe hierfür sind zum Beispiel die Angst der Patienten vor der Therapie und mangelndes Vertrauen von Ärzten in ihre Patienten, dass diese die Therapie überhaupt durchhalten.

Werden beim Tätowieren keine vorbildlichen Hygiene-Standards eingehalten, besteht das Risiko einer Übertragung von Hepatitis C. Foto: dpa

Gegen diese Vorbehalte müsse viel Überzeugungsarbeit geleistet werden, sagte Professor Jürgen Rockstroh aus Bonn. Man müsse sich als Arzt auf die Patienten und deren Realität einlassen, sie unterstützen und versuchen, sie an sich zu binden, so Rockstroh auf der 62. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS) in Bochum. Viele der HCV/HIV-koinfizierten Patienten sind Alkohol- oder Drogen-abhängig. Eine enge Therapie-Überwachung ist daher unerlässlich.

Koinfizierte Patienten sprechen schlechter auf HCV-Therapie an

Studien zufolge sind die virologischen Ansprechraten mit Blick auf das Hepatitis-Virus bei einer HCV/HIV-Koinfektion etwa zehn Prozent geringer als bei einer HCV-Monoinfektion. Die HCV-Therapie bei HIV-Koinfektion dauert derzeit 48 Wochen unabhängig vom Genotyp. Behandelt wird mit einer Kombination aus pegyliertem Interferon-alpha und Ribavirin. Voraussetzung für eine aussichtsreiche Behandlung sei eine HIV-Menge von unter 50  000 HIV-RNA-Kopien pro Milliliter Blut und eine CD4-Zellzahl über 350 pro Mikroliter Blut, so der Vorsitzende der Deutschen AIDS-Gesellschaft auf einer Pressekonferenz von Essex.

Ausschlaggebend für ein dauerhaftes virologisches Ansprechen (SVR) ist das frühe virologische Ansprechen in der 12. Woche, das definiert ist als ein HCV-RNA-Absinken um zwei log-Stufen, also auf ein Hunderstel.

Das Ansprechen nach drei Monaten ist entscheidend

Belegt wurde dies etwa in einer Studie mit Peginterferon alfa-2b (PegIntron®) plus Ribavirin (Rebetol®) - die die Zulassungserweiterung für HCV/HIV-koinfizierte Patienten erhalten haben. In der Studie ist belegt worden, dass 70 Prozent der Patienten, die bis zur 12. Woche angesprochen hatten, nach 48 Wochen ein SVR erreichten. Die in den ersten zwölf Wochen nicht angesprochen hatten, erreichten kein SVR.

STICHWORT

HCV/HIV-Koinfekt

In Deutschland sind 15 Prozent der HIV-Infizierten zusätzlich mit HCV infiziert, in Europa im Mittel 33 Prozent. Innerhalb Europas gibt es große Unterschiede - stark betroffen ist Osteuropa mit Raten bis zu 48 Prozent. Eine HCV/HIV-Koinfektion kann fast doppelt so schnell zu einer Leberzirrhose führen wie eine HCV-Infektion - die Latenzzeit bis zum Leberversagen oder Leberkarzinom beträgt etwa zehn bis 15 Jahre.Leberversagen ist oft die häufigste Todesursache bei HIV-infizierten Patienten. (eb)

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