Ärzte Zeitung, 13.11.2007

Kaum Resistenz mit neuer HBV-Therapie

Neues Nukleosid-Analogon ist auch nach vier Jahren noch effektiv / Resistenzrate liegt unter einem Prozent

BOSTON (grue). Für die Therapie von Patienten mit Hepatitis B sollte ein stark antiviral wirksames Medikament mit hoher Resistenzbarriere gewählt werden. Beide Anforderungen erfüllt das Nukleosid- Analogon Entecavir.

 Kaum Resistenz mit neuer HBV-Therapie

Ein Patient berät sich mit seinem Arzt über die Therapie. Bei Hepatitis B ist die Resistenzentwicklung ein Problem.

Foto: klaro

Gegen Entecavir (Baraclude®) bilden Hepatitis-B-Viren (HBV) kaum Resistenzen, wie Professor Michael Manns aus Hannover bei einem Kongress von US-Hepatologen in Boston gesagt hat. Deren Fachgesellschaft AASLD× empfehle hochwirksame Substanzen mit geringem Resistenzrisiko, damit den Patienten langfristig weitere Therapieoptionen erhalten bleiben. Das entspreche auch den Empfehlungen in der deutschen Hepatitis-B-Leitlinie (Z Gastroenterol 45, 2007, 525).

"Während unter Lamivudin-Therapie jährlich etwa 20 Prozent der Patienten eine Resistenz entwickeln, ist das Risiko der viralen Resistenz bei Behandlung mit Ente-cavir gering", sagte Manns auf einer Veranstaltung von Bristol-Myers Squibb. Neue Studiendaten zur Langzeittherapie mit Entecavir belegen, dass die Substanz bei nicht mit Nukleosiden vorbehandelten Patienten auch noch nach vier Jahren gut wirkt. Die Resistenzrate betrage weniger als ein Prozent, sagte Manns.

Grund dafür ist, dass zur Ausbildung einer Entecavir-Resistenz gleich drei relevante Polymerase-Genmutationen vorliegen müssen. Bei anderen Wirkstoffen reiche bereits eine einzelne Mutation für eine Resistenz aus. Eine hohe genetische Barriere und eine starke antivirale Aktivität sind Voraussetzung für einen langfristigen Therapie-Erfolg.

Der Hepatologe erinnerte daran, dass Patienten mit symptomatischer chronischer HBV-Infektion und mehr als 2000 Viruskopien pro ml Blut (bisher wurden mehr als 104 Viruskopien/ml angegeben) therapiebedürftig sind. Mit 0,5 mg Entecavir täglich sinkt bei zwei von drei HbeAg-positiven Patienten (Wildtyp-Virus-Infektion) die Viruslast binnen eines Jahres unter die PCR-Nachweisgrenze und die histologischen Leberbefunde bessern sich. Auch bei HbeAg-negativen Patienten werden mit Entecavir hohe Ansprechraten erzielt. Durch die Reduktion der Viruslast sollen Hepatitis-Komplikationen wie Zirrhose und Leberkrebs verhindert werden.

×AASLD steht für American Association for the Study of Liver Diseases

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