Ärzte Zeitung online, 19.08.2008

Arzt soll Patienten über Spritzen mit Hepatitis C angesteckt haben

ALTENKIRCHEN (dpa). Ein mittlerweile gestorbener Hausarzt soll im Kreis Altenkirchen (Rheinland-Pfalz) mindestens rund 20 seiner Patienten durch unsaubere Spritzen mit Hepatitis C infiziert haben. Der Arzt habe Ende der 1950er Jahre bis Anfang der 1980er Jahre in Katzwinkel eine Praxis betrieben, teilte der Kreis in Altenkirchen mit.

Der Mann soll für seine Patienten Spritzen benutzt haben, mit denen er Drogenabhängigen Drogenersatzstoffe verabreicht hatte. In den vergangenen Jahren waren in Katzwinkel Patienten mit Hepatitis C aufgefallen. Nachforschungen hätten ergeben, dass sich die Infektionsquelle vermutlich in der damaligen Hausarztpraxis befunden habe, hieß es. Der Kreis rief alle Bürger, die bei dem Arzt gespritzt worden waren, zu einem kostenlosen Bluttest auf. Das Testergebnis liege nach einer Woche vor.

Der Kreis rechnet nach Angaben des Sprechers aber nicht damit, dass viele neue Fälle von Hepatitis C festgestellt werden. Wenn jemand sich angesteckt habe, sei dieses wahrscheinlich schon bei ärztlichen Untersuchungen aufgefallen. Die Vorgänge in dem 2000-Einwohner-Ort Katzwinkel seien schwer nachvollziehbar, erklärte der Sprecher. „Sie liegen teilweise 50 Jahre zurück.“ Der Arzt sei 1983 gestorben – ehemalige Mitarbeiter der Praxis seien nicht bekannt. „Es gibt keine Patientenunterlagen aus der Praxis mehr.“

Jedoch erfuhr der Kreis aus alten Unterlagen, dass gegen den Arzt mehrere Disziplinarverfahren anhängig waren – auch, weil er umfangreich Drogenersatzstoffe verabreicht und verschrieben haben soll. Der Arzt sei selbst drogenabhängig und alkoholkrank gewesen, sagte der Sprecher. Er habe an einer Leberzirrhose gelitten, sei aber an einer geplatzten Ader gestorben.

Hepatitis C wird durch Viren hervorgerufen, die die Leber erheblich schädigen können. Die Krankheit endet im schlimmsten Fall tödlich. Im Gegensatz zu Hepatitis A und B gibt es für Hepatitis C noch keinen Impfstoff.

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