Ärzte Zeitung, 02.02.2009

Mediziner fordern Strategie zum Schutz vor Hepatitis B

HEIDELBERG (dpa). Mediziner fordern eine bessere Taktik im Kampf gegen die heimtückische Leberentzündung Hepatitis B. "Die Erkrankung ist die meistunterschätzte Infektionskrankheit", sagte Professor Michael P. Manns von der Medizinischen Hochschule Hannover.

"Wir brauchen dringend eine politische Stärkung des Themas in Europa", forderte Manns, Sprecher des Kompetenznetzes Hepatitis, in einem Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa. Das Kompetenznetz Hepatitis und die Deutsche Leberstiftung stellten am Freitag in Heidelberg "Empfehlungen für einen besseren Umgang  mit Hepatitis B in Deutschland" vor.

Schätzungen des Netzwerkes zufolge gibt es mehr als 500 000 chronisch mit dem Hepatitis-B-Virus (HBV) infizierte Menschen in Deutschland. "Wir glauben aber, dass erst ein Bruchteil der Betroffenen von der Krankheit weiß", sagte der Internist und Gastroenterologe. Nötig sei eine umfassende Impf- und Aufklärungskampagne in Deutschland - übersetzt in mehrere Sprachen. Bei etwa 65 Prozent der Infizierten handele es sich um Migranten. Insbesondere in der früheren Sowjetunion sei die Erkrankung zwischenzeitlich weit verbreitet.

"Hepatitis B ist eine sexuell übertragbare Krankheit - also muss der Träger von ihr erfahren und den Sexualpartner entsprechend informieren." Die Virusinfektion kann durch eine Impfung vermieden werden. "Noch sind aber nur etwa 80 Prozent der Schulkinder geimpft, die Impfrate der Gesamtbevölkerung ist noch viel geringer", erklärte Manns. "Darum müssen wir intensiv weiter dafür werben."

Die Experten fordern bis 2015 eine Hepatitis-B-Impfrate von 98 Prozent bei Jugendlichen und Risikogruppen. Von der Politik verlangen sie die Ausarbeitung einer Impfempfehlung und die Kostenübernahme für alle Migranten aus Ländern mit einer hohen Hepatitis-B-Rate.

"Wir brauchen endlich eine kontinuierliche Strategie und eine langfristige Unterstützung", forderte Manns von der Politik. "Und die Bundesregierung muss endlich die Krankheit als gesundheitliche Priorität erkennen und eine Strategie zu ihrer Bekämpfung entwickeln." Dies gelte letztlich für ganz Europa, so Manns.

www.kompetenznetz-hepatitis.de

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