Ärzte Zeitung online, 07.01.2010

Insulinresistenz bei Hepatitis C im Visier

HANNOVER (gvg). Die chronische Hepatitis C geht häufig mit einer gesteigerten Insulinresistenz einher. Wer hier therapeutisch ansetzt - etwa mit Metformin, Glitazonen oder hoch dosierter UDCA - , könnte als positiven Nebeneffekt auch die Erfolgsaussichten der antiviralen Therapie mit Interferon / Ribavirin verbessern.

Insulinresistenz bei Hepatitis C im Visier

Foto: ag visuell ©www.fotolia.de

Zum Zusammenspiel von chronischer Hepatitis C und Insulinresistenz gibt es inzwischen mehrere Studien: Dr. Manuel Romero-Gómez vom Hospital Universitario de Valme in Sevilla berichtete bei der Falk Leber-Konferenz in Hannover über die TRIC-1-Studie* an der 123 therapienaive Patienten mit einer durch HCV-Genotyp 1 verursachten, chronischen Hepatitis C teilgenommen hatten. Die Patienten hatten zudem eine erhöhte Insulinresistenz, festgemacht an einem HOMA-Index von über 2. In randomisiertem, Placebo-kontrolliertem Doppelblinddesign erhielten die Patienten dann entweder pegyliertes Interferon / Ribavirin als antivirale Therapie plus dreimal täglich 425 mg, später 850 mg Metformin. Oder sie erhielten nur pegyliertes Interferon / Ribavirin plus Placebo.

Metformin verbessert die Bindung des Insulins an seinen Rezeptor und hat auch günstige Effekte auf die Funktion des Insulinrezeptors. "Die These war, dass Metformin die Insulinresistenz bessert und dass sich das in besseren Ansprechraten auf die antivirale Therapie niederschlägt", so Romero-Gómez. Das konnte die TRIC-1-Studie zumindest teilweise bestätigen: Der HOMA-Index in der Placebo-Gruppe sank innerhalb der ersten 24 Wochen von 4,4 auf 3,8, in der Metformin-Gruppe von 4,3 auf 2,5. Das wiederum schlug sich in höheren Raten beim anhaltenden virologischen Ansprechen (sustained virological response, SVR) am Ende des Follow up-Zeitraums nieder. In der Metformin-Gruppe betrug die Quote der Patienten mit SVR 52,5 Prozent, in der Placebo-Gruppe waren es 42,2 Prozent. Dieser Unterschied war allerdings nicht statistisch signifikant.

Metformin unterstützt virologisches Ansprechen

"Deutlich eindrucksvoller waren die Daten in einigen Subgruppenanalysen", betonte Romero-Gómez. So hatte die Therapie mit Metformin bei Frauen einen sehr viel ausgeprägteren Effekt als bei Männern: 57,7 Prozent der Frauen erreichten ein SVR, im Vergleich zu 28,6 Prozent mit Placebo (p = 0,03). Auch jene Patienten, bei denen der HOMA-Index nach 24 Wochen unter 2 lag, hatten eine hohe SVR-Rate von 68 Prozent.

Eher enttäuschend verlief eine Pilotstudie (INSPIRED HCV) mit Pioglitazon zusätzlich zur Anti-HCV-Standardtherapie. Es wurde überprüft, ob 15 mg Pioglitazon die Ansprechraten der antiviralen Therapie verbessern. Das war nicht der Fall. Die Studie wurde abgebrochen. Allerdings handelte es sich um Patienten, die bereits vorher auf eine Therapie mit Interferon / Ribavirin nicht angesprochen hatten.

Zwei weitere Studien mit Pioglitazon wurden beim Kongress der American Association for the Study of Liver Disease (AASLD) im vergangenen Jahr vorgestellt. Das eine war eine randomisiert-kontrollierte Studie** mit 40 Patienten. Hier gab es zwar einen Trend zugunsten von Pioglitazon, aber keinen signifikanten Effekt auf das SVR. An der anderen, offenen Studie*** nahmen 30 Patienten mit unterschiedlichen BMIs teil. Hier gab es in der Gruppe der stark adipösen Patienten (BMI > 30) in einer Interimsanalyse einen signifikanten Vorteil beim schnellen virologischen Ansprechen nach vier Wochen, wenn Pioglitazon eingesetzt wurde.

Für Dr. Lawrence Serfaty vom Hôpital Saint-Antoine in Paris sind die Bücher in Sachen Insulinsensitizer bei HCV weiterhin offen. Eine klare Empfehlung könne derzeit nicht gegeben werden. Ein weiterer interessanter Kandidat für eine Begleittherapie bei HCV ist in Serfatys Augen Ursodeoxycholsäure. In hoher Dosierung hat UDCA bei NAFLD-Patienten die Insulinresistenz und die Leberfunktion verbessert. "Das könnte durchaus auch einen Nutzen bei Patienten mit Hepatitis C bringen", so Serfaty.

* TRIC-1: Treatment of Resistance to Insulin in Hepatitis C Genotype; Hepatology 50, 2009, 1702

** Hepatology 48, 2008, 384A (Abstract 168)

*** Hepatology 48, 2008, 383A (Abstract 167)

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Welche Stoffe in Energy-Drinks wirken auf Herz und Kreislauf?

Energy-Drinks haben eine durchschlagende Wirkung: Es kommt zu signifikanten Verlängerungen des QTc-Intervalls, und der systolische Blutdruck ist erhöht. Möglicherweise ist dafür nicht nur das Koffein verantwortlich. mehr »

Das war der Ärztetag 2017 in Bildern

Das war er nun, der 120 Ärztetag in Freiburg. Unsere Bildergalerie zeigt die schönsten, spannendsten Momente des viertägigen Kongresses. mehr »

Grünes Licht für GOÄ-Reformprozess

Der Deutsche Ärztetag hat den Verhandlungsführern für die GOÄ-Reform am Donnerstagabend grünes Licht für den weiteren Novellierungsprozess gegeben. mehr »