Ärzte Zeitung online, 26.01.2010
Erstmals
Hepatitis-C-Virus in gesunden Leberzellen gezüchtet
CAMBRIDGE (ple). US-Forschern ist es gelungen,
Hepatitis-C-Viren in gesunden Leberzellen zu vermehren. Damit haben die
Wissenschaftler die Grundlage für eine effizientere Suche nach
Arzneimitteln gegen den Erreger geschaffen.
Der jüngste Erfolg US-amerikanischer Virologen wird
einen Schub für die Herstellung von Medikamenten gegen
Hepatitis-C-Viren (HCV) auslösen. Denn den Forschern um die
Biotechnologin Dr. Sangeeta N. Bhatia vom Massachusetts Institute of
Technology in Cambridge ist es erstmals gelungen, HCV in gesunden
Leberzellen zu züchten (PNAS
online). Bisher war eine solche Virusvermehrung nur in
Hepatom-Zellen, also benignen oder malignen Hepatozyten,
möglich, was die Arzneientwicklung erschwert.
Wie die Wissenschaftler berichten, ist es ihnen gelungen, die
Vermehrung von HCV in den Zellen bis zu drei Wochen aufrecht zu
erhalten. Das gibt Pharmakologen mehr Zeit als bisher, neue Substanzen
gegen das Virus zu testen. Darunter sind außer Interferon
auch Antikörper, die den Eintritt der Viren in die Zelle
verhindern.
"Wenn ausschließlich Hepatozyten in eine
Kulturschale gegeben werden, überleben sie nicht lange", sagt
Bhatia. "Werden die Zellen aber in einer passenden Umgebung mit anderen
Zellen gezüchtet, leben sie viel länger ohne
Funktionsverlust."
Die Wissenschaftler züchteten die Hepatozyten
gemeinsam mit Fibroblasten, die dafür sorgen, dass die
Hepatozyten lange überleben.
Weltweit sind mehr als 170 Millionen Menschen chronisch mit
HCV infiziert, in Europa bis zu fünf Millionen. In Deutschland
wird die Virusinfektion jedes Jahr bei 6000 bis 8000 Menschen neu
diagnostiziert.
Der Verlauf der chronischen HCV-Infektion variiert stark. Nach
20 Jahren seit Beginn der Infektion entwickeln 20 bis 35 Prozent der
Patienten eine Leberzirrhose. Liegt diese vor, beträgt das
Risiko für Leberkrebs etwa vier Prozent pro Jahr.
Infos vom Robert-Koch-Institut zu Hepatitis C unter www.rki.de
Anmerkung der Redaktion: Der Link zur Originalstudie ist seitens
PNAS noch nicht freigeschaltet. Sobald das erfolgt ist, verlinken wir
auf die Studie.

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