Ärzte Zeitung online, 21.04.2010

Ärzte warnen bei Rasur in Türkei vor Hepatitis

WIESBADEN/ISTANBUL (dpa). Urlaubern in der Türkei droht bei der traditionellen Rasur in einem türkischen Barbierladen eine unerwartet große Ansteckungsgefahr mit Hepatitis B. Fast sieben Prozent der Rasiermesser seien mit Hepatitis-B-Viren verunreinigt, teilte der Berufsverband Deutscher Internisten (BDI) am Mittwoch mit.

Das habe eine aktuelle Untersuchung von Forschern der Universität im türkischen Samsun ergeben, so der BDI.

Viele Touristen und Geschäftsleute lassen sich bei Besuchen in der Türkei einseifen und mit scharfer Klinge rasieren. Schönheitsbehandlungen, Fußpflege und Tätowierungen sind weitere mögliche Übertragungswege.

Vor allem im Osten und Südosten der Türkei sind viele Menschen mit Hepatitis B infiziert. Etwa 12 bis 15 Prozent der Bevölkerung gelten als Virusträger. In Deutschland gelten nach Angaben des RKI 0,4 bis 0,8 Prozent als Virusträger. Die Ansteckung mit Hepatitis B erfolgt über das Blut oder durch Sex. "Bereits kleinste Verletzungen können dabei zu einer Infektion führen. Die Ansteckungsgefahr ist bei Hepatitis B hundertmal höher als bei HIV", warnt Professor Thomas Löscher, Leiter des Tropeninstituts der Universität München.

Hepatitis B kann zu chronischer Leberentzündung und schweren Komplikationen führen. Eine chronische Infektion erhöht das Risiko für Leberkrebs um das Hundertfache.

Auch bei der Übertragung von Hepatitis A besteht in der Türkei ein erhöhtes Risiko durch verunreinigtes Wasser oder verschmutzte Lebensmittel. Nach Angaben des Robert Koch-Instituts liegt die Türkei mit 36 Prozent an der Spitze der nach Deutschland importierten Hepatitis-A-Fälle. Experten raten bei Reisen in Gebiete mit besonderer Gefährdung zu Impfungen gegen Hepatitis A und B.

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