Ärzte Zeitung online, 11.05.2010

Forscher setzen den Erreger der Hepatitis C einem Härtetest aus

HANNOVER (eb). Der Erreger der Hepatitis C ist offenbar recht stabil. Bei Raumtemperatur hält sich das Virus drei Wochen lang in einer Flüssigkeit, ohne seine Infektiosität zu verlieren.

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Drei Modelle des Hepatitis-C-Virus. © Hepatitis-C-Forum

Eine Infektion mit dem Hepatitis-C-Virus (HCV) führt bei etwa 70 Prozent der Infizierten meist unbemerkt zu einer chronischen Leberinfektion. Mit dieser steigt für die Patienten das Leberkrebsrisiko. Wissenschaftler des Zentrums für Experimentelle und Klinische Forschung (Twincore) und der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) wollten wissen, wie lange HCV - ohne sich in Zellen aufzuhalten - etwa in Flüssigkeiten überlebt. Die Erkenntnis soll helfen, Patienten, Pflegepersonal und Ärzte künftig noch besser vor Infektionen mit dem Virus schützen zu können.

Die Stabilität des Erregers ließ sich bisher nur schätzen

"Die Stabilität von HCV konnte bisher nicht direkt untersucht werden, denn das Virus ließ sich nicht im Labor züchten und nachweisen", sagt Dr. Sandra Ciesek, Ärztin der Klinik für Gastroenterologie, Hepatologie und Endokrinologie der MHH. Ciesek ist auch Wissenschaftlerin am Twincore.

Meist gelangt das Virus über einen Nadelstich in den Körper oder über Blut-Blut Kontakt. Die Stabilität von HCV, etwa in einer Spritzen-Spülflüssigkeit oder in einer Infusionslösung, konnten Ärzte bisher nur schätzen - durch Untersuchungen mit Ersatzviren, die Rinder infizieren, aber nicht Menschen. Und auch der Nachweis von HCV war nur über einen Umweg möglich: Forscher haben nur das Erbgut der Viren nachgewiesen. Ende der 1980er Jahre wurde von Dr. Michael Houghton aus Emeryville erstmals ein unbekanntes infektiöses Virus als Erreger der Non-A-Non-B-Hepatitis kloniert, bevor es gezüchtet oder im Labor isoliert, mikroskopisch dargestellt oder serologisch identifiziert worden war. Das Virus wurde dann als HCV bezeichnet.

Strenge Hygiene-Regeln sind gerechtfertigt

"Teile des Erbguts allein sind aber noch nicht ansteckend", sagt Dr. Eike Steinmann, Wissenschaftler in der Arbeitsgruppe Experimentelle Virologie am Twincore. "Wir haben in diesem Projekt mit einem neuen Zellkultursystem in der Arbeitsgruppe um Professor Thomas Pietschmann gearbeitet. Damit können wir direkt die infektiösen Viren nachweisen."

Die beiden Forscher haben HCV über zwei Jahre auf alle möglichen Arten zerstört: Sie haben die Viren in den Kühlschrank gestellt, erhitzt, bei Raumtemperatur stehen lassen, mit Säuren und Laugen versetzt und sie mit verschiedenen Alkoholen und handelsüblichen Desinfektionsmitteln traktiert. Die gute Nachricht: Alle Alkohole und Desinfektionsmittel wirken. "Allerdings ist das Virus bei Raumtemperatur relativ stabil. Es hält sich drei Wochen lang in einer Flüssigkeit", sagt Ciesek. "Das bedeutet in der Praxis, dass unsere strengen klinischen Hygienemaßnahmen tatsächlich gerechtfertigt sind."

Ansteckungsgefahr muss neu überprüft werden

Und wenn Klinik und Grundlagenforschung sich zusammentun, entstehen wie von selbst reihenweise neue Fragen. So hat der Nachweis der aktiven Viren - gegenüber den Erbgutteilen - gezeigt, dass die Ansteckungsgefahr durch HCV in einigen Bereichen neu geprüft werden muss. Offenbar lauert nicht überall, wo Erbgut zu finden ist, auch unbedingt Ansteckungsgefahr. Zwar ist das Risiko, sich in einem gemeinsamen Haushalt oder über sexuelle Kontakte mit HCV zu infizieren, ohnehin extrem gering, aber diese Risiken genau zu kennen, kann sie noch weiter verringern. So sind diese Fragen - etwa für Samenflüssigkeit - noch längst nicht alle geklärt.

Und auch der Stabilität des Virus gehen die Wissenschaftler weiter auf den Grund: "Wir werden gemeinsam untersuchen, wie sich das Virus verhält, wenn es antrocknet. Handschuhe, Holz, Stahl - wir werden alle Arten von Oberflächen testen, die in der Klinik vorkommen", plant Steinmann. Denn ein Tropfen Flüssigkeit trocknet schnell ein und dann deutet nicht einmal mehr etwas auf eine Gefahr hin.

www.twincore.de

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