Ärzte Zeitung online, 09.08.2010

Hepatitis C: Dreierkombi mit Boceprevir vergrößert Heilungsschancen

INDIANAPOLIS (ikr). Für Patienten, die eine chronische Infektion mit dem Hepatitis-C-Virus (HCV) Genotyp 1 haben, könnten sich die Therapiechancen bald verbessern: In einer aktuellen Studie wurden mit dem Proteasehemmer Boceprevir doppelt so viele Patienten virusfrei wie mit der Standardmedikation.

Hepatitis C: Dreierkombi mit Boceprevir vergrößert Heilungsschancen

Jetzt wird es eng für das Hepatitis-C-Virus - in Kombination mit dem Proteasehemmer Boceprevir konnte die Therapie aus Peginterferon-alfa 2b und Ribavirin bei doppelt so vielen Patienten punkten wie bisher.

© SPL / Agentur Focus

In der Phase-II-Studie wurden verschiedene Therapieschemata bei noch unbehandelten Patienten mit HCV-Infektion und Genotyp 1 geprüft (Lancet online). 520 Patienten erhielten entweder die Standardtherapie mit Peginterferon-alfa 2b (1,5  μg /kg) plus Ribavirin (800 bis 1400 mg täglich) für 48 Wochen oder zunächst die Standardtherapie für vier Wochen, gefolgt von der Standardtherapie plus 800 mg Boceprevir dreimal täglich für 24 Wochen oder 44 Wochen, oder aber die Standardtherapie plus Boceprevir für 28 oder 48 Wochen. Außerden wurden 75 Patienten entweder für 48 Wochen mit der Standardtherapie plus Boceprevir oder mit Peginterferon-alfa 2b plus Boceprevir in Kombination mit einer niedrigen Ribavirin-Dosis (400 bis 1000 mg) behandelt. Primärer Endpunkt war das anhaltende virologische Ansprechen, das heißt die Rate derjenigen Patienten, bei denen auch 24 Wochen nach Therapieende keine HCV-RNA nachweisbar war.

Die wesentlichen Ergebnisse: In allen vier Gruppen, die mit dem Proteasehemmer behandelt wurden, war die Ansprechrate höher als in der Kontrollgruppe. Am besten schnitten diejenigen Patienten ab, die zunächst vier Wochen lang die Standardtherapie erhielten und dann für 44 Wochen die Standardtherapie plus Boceprevir. 77 von 103 Patienten hatten auf die Therapie angesprochen, also 75 Prozent. In der Kontrollgruppe, die für 48 Wochen die Standardthrapie bekam, waren nur 39 von 104 Patienten, also lediglich 38 Prozent virusfrei geworden. Bei den Patienten, die für 48 Wochen durchgehend die Dreierkombination erhalten hatten, betrug die Ansprechrate 67 Prozent.

Bei den mit dem Proteasehemmer behandelten Patienten war die Anämie-Rate mit 55 Prozent höher als in der Kontrollgruppe mit 34 Prozent. Auch Geschmacksstörungen waren mit dem Proteasehemmer häufiger (27 versus 9 Prozent). Aufgrund der insgesamt vielversprechenden Phase-II-Daten wird der Proteasehemmer Boceprevir bereits in Phase-III-Studien geprüft.

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