Ärzte Zeitung online, 30.12.2010

Heilungsraten bei Hepatitis C steigen

BOSTON (hub). Kommenden Jahres könnte es einen Schub in der Hepatitis-C-Therapie geben. Proteasehemmer erhöhen die Heilungsrate und verkürzen die Therapiedauer. Hepatologen erwarten die Zulassung noch 2011.

Entsprechende Daten zum Proteasehemmer Telaprevir wurden beim US-amerikanischen Leber-Kongress AASLD in Boston vorgestellt (Poster LB-11). In der Phase-III-Studie wurden bisher nicht behandelte Patienten mit chronischer Infektion durch Hepatitis-C-Viren (HCV) vom Genotyp1 in drei Gruppen eingeteilt:

  • Gruppe 1: zwölf Wochen Telaprevir plus Standardtherapie (PEG-Interferon und Ribavirin), dann Standardtherapie allein
  • Gruppe 2: acht Wochen Telaprevir plus Standardtherapie, dann vier Wochen Placebo plus Standard, dann wie Gruppe 1
  • Gruppe 3: zwölf Wochen Placebo plus Standard, dann wie Gruppe 1

Nach vier und zwölf Wochen wurde die HCV-RNA-Konzentration im Serum bestimmt. War zu diesen Zeitpunkten keine HCV-RNA nachweisbar, wurde 24 Wochen therapiert, ansonsten 48 Wochen. Die RNA wurde zu weiteren Zeitpunkten gemessen, zuletzt nach 72 Wochen.

Die Ergebnisse sprechen für eine Therapie nach dem Schema von Gruppe 1. Hier erreichten 75 Prozent der Patienten ein anhaltendes virologisches Ansprechen (sustained virological response, SVR). Das ist mit einem vollständigen Verschwinden des Virus und daher mit einer Heilung gleichzusetzen. Die SVR-Rate in Gruppe 2 lag bei 69 Prozent, mit der Standardtherapie bei nur 44 Prozent.

Der Proteasehemmer Telaprevir muss nach einem strikten Schema alle acht Stunden eingenommen werden. Sollte die Arznei Ende kommenden Jahres zugelassen werden, ist das eine der Botschaften durch behandelnde Ärzte: Drei Monate striktes Befolgen des Einnahmeschemas erhöht die Heilungschancen deutlich. Hepatologen gehen zudem davon aus, dass für mehr als die Hälfte der Patienten eine auf 24 Wochen verkürzte Therapiedauer infrage kommt - halb so viel wie bisher üblich. Auch das dürfte ein Argument sein, die Therapietreue zu fördern.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text
Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Epidemiologische Kaffeesatzleserei?

Verursacht oder verhindert der Konsum von Kaffee Krankheiten? Die Klärung solcher Fragen zur Ernährung ist methodisch ein richtiges Problem. mehr »

Trotz Budgetierung gute Chancen auf Mehrumsatz

Seit vier Jahren steht das hausärztliche Gespräch als eigene Leistung im EBM (03230) . Immer wieder ist daran herumgeschraubt worden. mehr »

Erstmals bekommt ein Kind zwei Hände verpflanzt

Ein achtjähriger Junge mit einer tragischen Krankheitsgeschichte bekommt zwei neue Hände. Die Op ist ein voller Erfolg: Anderthalb Jahre später kann er schreiben, essen und sich selbstständig anziehen. mehr »