Ärzte Zeitung, 28.07.2015

Neue Therapieoptionen

Langsame Fortschritte bei Hepatitis Delta

In der Therapie bei Hepatitis Delta zeichnen sich langsame, aber stetige Fortschritte ab. Große Fragezeichen bestehen aber nach wie vor bei Prävalenz und Detektion.

Langsame Fortschritte bei Hepatitis Delta

Leberzirrhose: Bei HBV/HDV-Koinfektion ist die Progression zum Endstadium der Hepatitis schneller als bei der HBV-Monoinfektion.

© Arteria Photography

HANNOVER. Die chronische Hepatitis Delta (HBV/HDV-Koinfektion) ist die schwerwiegendste Virushepatitis. Die Progression zur Leberzirrhose ist schneller als bei der HBV-Monoinfektion.

Das Hepatitis Delta Virus ist hochinfektiös, braucht allerdings HBsAg für den Eintritt in die Leberzelle. Daher sei die Hepatitis Delta immer eine Koinfektion mit HBV oder bei HBsAg positiven Personen, erinnert Privatdozent Markus Cornberg aus Hannover in der Hepatitis-Akademie auf Springer Medizin.

Die Prävalenz der chronischen Hepatitis Delta war nicht gut untersucht. Nun habe das 2011 gegründete internationale Hepatitis Delta Netzwerk (www.hepatitis-delta.org) erstmals Daten präsentiert.

Ein weiteres Problem sei das Fehlen eines gut etablierten und standardisierten Assays für die Quantifizierung der HDV-RNA. Die verfügbaren Assays ergäben unterschiedliche Resultate, bedingt etwa durch die hohe genetische Variabilität des HDV.

Es sind acht HDV-Genotypen bekannt, und selbst innerhalb der Genotypen gibt es eine hohe Diversität.

Prädiktoren des Ansprechens

Die Therapie bei chronischer Hepatitis Delta unterscheide sich grundlegend von der bei chronischen Hepatitis B, so Cornberg. Die bei der HBV-Infektion sehr effektiven Nukleosid/ Nukleotidanaloga (NUC) wirken nicht auf die HDV-Replikation.

Die bisher einzige Option sei Interferon alpha oder PEG-Interferon alpha (PEG-IFN).

Die größten prospektiven Studien (HIDIT-I und II) stammen vom Kompetenznetz Hepatitis. In HIDIT-I wurden 90 Patienten entweder mit PEG-IFN/Placebo, PEG-IFN/Adefovir oder Adefovir alleine behandelt.

Ergebnis: Eine NUC-Therapie über 48 Wochen besitzt keinen Effekt bei Hepatitis Delta, und die PEG-IFN/Adefovir-Kombination hat keinen Vorteil im Vergleich zu PEG-IFN/Placebo bei der HDV-RNA-Suppression.

PEG-IFN/Adefovir bewirke nur einen stärkeren Abfall des quantitativen HBsAg, berichtet Cornberg. Mit PEG-IFN mit oder ohne Adefovir fiel bei 28 Prozent der Patienten 24 Wochen nach Therapieende HDV-RNA unter die Nachweisgrenze.

Dieser Endpunkt wurde analog zur Hepatitis C-Therapie gewählt und als "Sustained Response" (anhaltendes virologisches Ansprechen) gewertet. Langfristig kam es allerdings bei etwa der Hälfte der Responder zu einem Relapse.

Längere Therapie brachte nichts

In der HIDIT-II-Studie mit einer Therapiedauer von 96 Wochen wurde erneut eine PEG-IFN/NUC-Kombination (mit Tenofovir) gegen PEG-IFN/Placebo getestet. Doch nur 23 bis 30 Prozent der Patienten - nicht mehr als in HIDIT-I mit 48 Wochen - waren 24 Wochen nach Therapieende HDV-RNA-negativ

Neue Optionen sind nach Angaben von Cornberg der Prenylierungsinhibitor Lonafarnib, der presS1-Entryinhibitor Myrcludex sowie Nucleic Acid Polyermers (NAP).

Dabei konnte gezeigt werden, dass verschiedene NAP in vitro den HDV-Eintritt in die Zelle inhibieren und dass die Therapie mit NAP REP2139 bei zwölf Patienten zu einem deutlichen HDV-RNA und HBsAg-Abfall führte.

Diagnostik braucht einen Standard

Die Vorhersage des Therapieerfolges mit PEG-IFN sei durch virologische Marker nur schwierig möglich. Eine Individualisierung (zum Beispiel frühe Stoppregeln) wie bei der chronischen Hepatitis C werde für die Hepatitis Delta nicht möglich sein.

Damit bleibt die Therapie mit PEG-IFN über 48 Wochen der Standard. Bei Patienten mit deutlichem HBsAg-Abfall in den ersten 48 Wochen sollte bei guter Verträglichkeit eine längere Therapiedauer erwogen werden.

Bestätigen sich die vielversprechenden Ergebnisse neuer Konzepte in größeren Kohorten könnten sie aufgrund des "Orphan Disease" Status der Hepatitis Delta möglicherweise schnell in die Praxis kommen.

Bevor aber neue Therapien breit angewendet werden, müsse die Diagnostik der Hepatitis Delta (HDV-PCR) dringend standardisiert werden, so Cornberg. (eb)

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