Ärzte Zeitung, 11.02.2016

Hepatitis-B-Impfschutz

Keine Auffrischung nötig

Auch 30 Jahre nach einer Grundimmunisierung gegen Hepatitis B haben die meisten Menschen offenbar noch einen ausreichenden Impfschutz gegen das Virus. Das hat die bisher längste Kohortenstudie zur Impfung ergeben.

Von Beate Schumacher

Keine Auffrischung nötig

Der Erfolg einer Hepatitis-B-Impfung ist bei Menschen mit Infektionsrisiken im Beruf zu überprüfen.

© Pix4U / fotolia.com

ANCHORAGE. Nach Angaben der Ständigen Impfkommission am Robert Koch-Institut (STIKO) ist nach einer Grundimmunisierung gegen Hepatitis B - durchgeführt in der Kindheit oder im Erwachsenenalter - "im Allgemeinen keine Auffrischimpfung notwendig".

Ausnahmen gelten allerdings für Personen mit Immundefizienz. Bei Menschen mit hohem individuellem Expositionsrisiko ist zudem der Impferfolg zu überprüfen.

Diese Einschätzung wird durch die bisher längste Kohortenstudie zur Wirksamkeit der Hepatitis-B-Impfung gestützt. Mehr als 90 Prozent der Teilnehmer, die vor 30 Jahren geimpft worden waren, hatten einen protektiven Antikörpertiter oder zumindest ein immunologisches Gedächtnis.

Antikörper und Immungedächtnis

Für die Untersuchung wurden die Daten von 243 Studienteilnehmern berücksichtigt, die auf die 30 Jahre zurückliegende Grundimpfung angesprochen und danach keine Boosterimpfung mehr erhalten hatten (Journal of Infectious Diseases 2016, online 21. Januar).

Die dreiteilige Impfung mit einer aus Plasma aufgereinigten Hepatitis-B-Vakzine, dem damals einzig verfügbaren Impfstoff, war im Erwachsenen- oder im Kindesalter nach dem sechsten Lebensmonat erfolgt.

30 Jahre später hatten 125 Teilnehmer (51 Prozent) noch einen Antikörpertiter ≥10 mIU/ml gegen das Hepatitis-Surface-Antigen (HBs). Anti-HBs-Titer ≥10 mIU/ml wurden von den Studienautoren entsprechend der WHO-Einschätzung als protektiv betrachtet. Die geometrische mittlere Konzentration des Anti-HBs betrug 14,4 mIU/ml.

Dabei korrelierte die Höhe der Antikörperkonzentration mit dem Titer nach der Basisimpfung. Außerdem war eine Erstimmunisierung im Alter zwischen fünf und 19 Jahren mit einem besonders guten Langzeitergebnis verbunden.

Keine Durchbruchinfektionen

Von den übrigen 118 Personen, die nach 30 Jahren einen Anti-HBs-Titer < 10 mIU/ml aufwiesen, wurden 96 auf das Vorhandensein eines humoralen Immungedächtnisses getestet: Sie erhielten eine Boosterimpfung, deren Erfolg nach 30 Tagen überprüft wurde. Bei 75 Probanden (88 Prozent) konnte auf diese Weise eine schützende Anti-HBs-Konzentration induziert werden.

Der Booster war umso eher erfolgreich, je höher der noch verbliebene Anti-HBs-Spiegel gewesen war.

Geht man davon aus, dass alle 118 Probanden mit Anti-HBs < 10 mIU/ ml, und zwar auch die Probanden ohne Test-Booster, zu 88 Prozent ein Immungedächtnis aufwiesen, gab es in der Gesamtgruppe der 243 Impflinge bei 94 Prozent Evidenz für einen Impfschutz.

Durchbruchinfektionen waren bei keinem von ihnen aufgetreten. "Die Daten liefern starke Belege dafür, dass das Immunsystem der meisten Menschen auch 30 Jahre nach der ersten Impfserie das HBs-Antigen weiterhin erkennt", schreiben die Studienautoren um Dr. Michael G. Bruce von den Centers for Disease Control and Prevention in Anchorage im US-Staat Alaska. Sie gehen davon aus, dass die Ergebnisse auch auf die heute verwendete rekombinante Vakzine übertragen werden können.

Die beiden Impfstofftypen hätten sich in Studien in Bezug auf Antikörperreaktion und Wirksamkeit sehr ähnlich verhalten.

Kürzerer Schutz bei früher Impfung?

Im Gegensatz zu aktuellen Impfempfehlungen wurden die Studienteilnehmer allerdings erst nach dem sechsten Lebensmonat geimpft. Das könnte laut Bruce und Kollegen im Hinblick auf den Langzeitschutz möglicherweise einen Unterschied machen, da die Anti-HBs-Titer bei einer Impfung vor dem sechsten Monat schneller fallen.

Zumindest Menschen mit einer später durchgeführten Basisimpfung benötigen laut den US-Ärzten aber auch nach 30 Jahren keine Auffrischimpfung.

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