Ärzte Zeitung, 06.10.2016

Chronische Hepatitis B

In vielen Ländern auf dem Rückzug

Weltweit nimmt die Zahl von Patienten mit chronischer Hepatitis B ab. In einigen Regionen bleiben jedoch Hochrisikogebiete bestehen. Und in einigen Ländern steigt die Zahl der Erkrankungen, etwa in Afrika und auch in Osteuropa.

BRAUNSCHWEIG. Außer HIV-Infektionen, Tuberkulose und Malaria gehört virale Hepatitis weltweit zu den häufigsten Infektionskrankheiten. Das Hepatitis-B-Virus ist dabei 50- bis 100-mal ansteckender als das HIVirus.

Bislang fehlten Informationen, wie sich die Prävalenz und damit die Häufigkeit der Infektion in der Allgemeinbevölkerung weltweit in den vergangenen Jahrzehnten entwickelt hat.

Wissenschaftler des Helmholtz-Zentrums für Infektionsforschung (HZI) in Braunschweig haben nun das Auftreten der chronischen Hepatitis-B-Infektion in 50 Ländern über die letzten Jahrzehnte untersucht.

Weltweit ließ sich dabei ein Rückgang der chronischen Hepatitis-B-Prävalenz feststellen, berichtet das Zentrum in einer Mitteilung. Allerdings bestehen weiterhin Gebiete mit hohem Infektionsvorkommen. In einzelnen Ländern wurden sogar Anstiege ersichtlich.

Die Studie ist im "Journal of Hepatology" veröffentlicht worden (J Hepatol 2016; online 31. August).

Infektion wird häufig unterschätzt

Das Hepatitis-B-Virus wird bekannterweise durch Kontakt- oder Schmierinfektionen, beispielsweise beim Geschlechtsverkehr, beim Tätowieren oder bei i.v.-Drogenkonsum übertragen.

Die Infektion wird wegen ihrer meist unauffälligen Symptomatik unterschätzt und häufig zunächst nicht bemerkt. Im Fall eines chronischen Verlaufs kann das Virus Leberzirrhose und Krebs verursachen und dabei zum Tode führen.

Das Risiko, dass die Infektion chronifiziert, ist abhängig vom Alter des Betroffenen bei der Ansteckung: Je früher im Leben eine Infektion stattfindet, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit für eine chronische Infektion mit einem dauerhaften Verlauf.

Besonders die Übertragung bei der Geburt oder die Infektion im sehr jungem Kindesalter führt in einigen Regionen zu einer besonders hohen Prävalenz.

Starker Rückgang in Brasilien und China

Die Studie hat nun ergeben, dass in den meisten Ländern die Häufigkeit chronischer Virusinfektionen abnimmt. Den stärksten Rückgang gibt es etwa in Brasilien, China und Malaysia. Den größten Anstieg verzeichneten Länder wie Nigeria und Uganda – mit bis zu sieben Prozent Zuwachs pro Jahr.

"Eine konstant hohe und vereinzelt ansteigende Prävalenz chronischer Hepatitis B betrifft möglicherweise auch weitere Länder in Afrika. Allerdings ist für den Kontinent die Datenlage eher schlecht, was Zeitanalysen nur bedingt möglich macht", so Dr. Jördis Ott, Wissenschaftlerin in der Abteilung Epidemiologie am HZI und Erstautorin der Studie in der Mitteilung.

Für Europa lassen sich grob vier Muster für das Vorkommen der chronischen Infektion identifizieren. "Es gibt Länder mit stabil hoher oder steigender Prävalenz in der Bevölkerung wie Russland, Polen und Rumänien sowie einkommensstarke Länder – meist in Westeuropa – mit historisch sehr niedriger und kaum veränderter Infektionslast", sagt Rafael Mikolajczyk, Leiter der Gruppe Epidemiologische und statistische Methoden am HZI.

Auf dem Rückzug befindet sich die chronische Infektionskrankheit ebenso im westlichen Pazifikraum.

Impferfolg mit zeitlichem Verzug

"Der Rückgang der Prävalenz chronischer Hepatitis B ist je nach Land in unterschiedlichem Ausmaß auf präventive Maßnahmen wie die Impfung gegen Hepatitis B zurückzuführen. So sind Impfeffekte vor allem abhängig vom Zeitpunkt der Einführung und Abdeckung der Impfung", sagt Ott.

Insgesamt machen sich Erfolge der Hepatitis-B-Impfung im Kindesalter erst mit zeitlichem Verzug in höheren Altersgruppen bemerkbar. (eb)

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