Ärzte Zeitung, 27.06.2005

Penciclovir gibt’s nun ohne Rezept in Apotheken

Topisches Virustatikum kürzt Beschwerden bei Lippenherpes ab / Doppelblindstudien belegen gute Verträglichkeit

MÜNCHEN (wst). Das topische Virustatikum Penciclovir hat sich in großen klinischen Studien bewährt, die Beschwerden bei Lippenherpes abzukürzen. Aufgrund seiner guten Verträglichkeit ist es Anfang des Jahres aus der Rezeptpflicht entlassen worden. Es wird ab 1. Juli in der gleichen Zusammensetzung wie bisher Vectavir® apothekenpflichtig als Fenistil® Pencivir eingeführt.

Die Studienergebnisse zu dem Virustatikum hat Professor Hans Christian Korting aus München auf einer vom Unternehmen Novartis veranstalteten Pressekonferenz in München diskutiert.

In zwei Doppelblindstudien ähnlichen Designs mit über 3000 Patienten mit beginnender Lippenherpes-Symptomatik hatte eine Hälfte mehrmals täglich 1-prozentige Penciclovir-Creme auf die betroffenen Stellen aufgetragen, die andere Hälfte nur die Wirkstoff-freie Cremegrundlage. In der Verumgruppe seien die Herpesläsionen im Schnitt um 31 Prozent schneller abgeheilt als in der Placebogruppe, zitierte Korting.

      Therapie wirkt auch noch, wenn schon Bläschen da sind.
   

Die schmerzhafte Zeit war beim Verum um 28 Prozent verkürzt. Penciclovir-Creme und Placebo wurden gleich gut vertragen. Der Vorteil zugunsten der Verumgruppe war auch dann noch statistisch signifikant, wenn die Behandlung erst im Bläschenstadium begonnen hatte.

In einer direkten Vergleichsstudie war bei insgesamt 40 Patienten 1-prozentige Penciclovir-Creme gegen 5-prozentige Aciclovir-Creme getestet worden. Aufgeteilt in vier gleich große Gruppen begannen die Patienten die Penciclovir- oder Aciclovir-Behandlung sofort bei den ersten Symptomen eines Lippenherpes oder aber erst im Bläschenstadium.

Beim frühen Therapiebeginn wurde das Krustenstadium mit Penciclovir nach durchschnittlich vier (schmerzfrei ebenfalls nach vier) und unter Aciclovir nach sechs (schmerzfrei nach fünf) Tagen erreicht. Bei Therapiebeginn erst im Bläschenstadium unterschied sich der Verlauf in der Aciclovir-Gruppe nicht mehr vom zu erwartenden Spontanverlauf. Demgegenüber war auch dann unter Penciclovir die Schmerzdauer noch um 20 Prozent und die Abheilungszeit um 30 Prozent verkürzt.

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