Ärzte Zeitung online, 03.07.2008

Forscher wollen schlafende Herpes-Viren wecken und zerstören

LONDON (dpa). Winzige Erbgut-Stückchen sorgen dafür, dass Herpes-Viren jahrelang in einem inaktiv in menschlichen Nervenzellen überdauern können. In diesem Zustand sind sie gegen Medikamente resistent. Einen möglichen Weg, solche schlummernden Herpes-Viren zu wecken, um sie angreifbar zu machen, haben nun Forscher entdeckt.

Es sind winzige Erbgut-Stückchen, die dafür sorgen dafür, dass Herpes- Viren jahrelang in einem schlafartigen Zustand in menschlichen Nervenzellen überdauern können. In dem Schlummerzustand - auch als latente oder ruhende Infektion bezeichnet - sind die Viren für Medikamente unerreichbar. Die nun untersuchten Erbgut-Stückchen verhindern die Bildung von Eiweißen, die zum Aufwachen der Viren nötig sind, wie US-Forscher im Journal "Nature" online vorab berichten. Die Wissenschaftler hoffen nun, mit Hilfe ihrer Ergebnisse ein Mittel entwickeln zu können, welches die Viren aufweckt und sie so für die vorhandenen antiviralen Medikamente angreifbar macht.

Dr. Bryan Cullen vom Duke University Medical Center in Durham (US-Staat North Carolina) und seine Mitarbeiter hatten in ihren Experimenten das Herpes simplex Virus 1 (HSV-1) untersucht, das beim Menschen unter anderem den klassischen Lippenherpes hervorruft. Dabei kommt es zur Bildung von nässenden und stark juckenden Bläschen. Nach einigen Tagen verschwinden die Bläschen, die Viren allerdings verbleiben ein Leben lang im Körper des Infizierten. Durch Stress, starke Sonneneinstrahlung, Fieber und eine Reihe anderer Faktoren kann das Virus reaktiviert werden und bildet dann erneut die typischen Bläschen.

Wie der Wechsel zwischen der aktiven und der ruhenden Infektion herbeigeführt und der Schlafzustand aufrechterhalten wird, war Wissenschaftlern bislang weitgehend unklar. Bekannt war, dass ein Gen namens LAT daran beteiligt ist. Anders als die meisten anderen Gene bildet LAT aber kein Eiweiß, seine genaue Funktion blieb deshalb rätselhaft. Das Team um Cullen zeigte nun, dass das LAT-Gen die Informationen zur Herstellung von sogenannten microRNAs (miRNAs) in sich trägt. Dies sind winzige Abschnitte des Moleküls RNA, einem Verwandten des Erbgut-Moleküls DNA. Diese miRNAs verhindern nun, dass bestimmte Botenmoleküle der Zelle die Eiweiße bilden, die für eine aktive Infektion nötig sind.

Erst unter bestimmten Stress-Bedingungen steigt die Zahl der Botenmoleküle so stark an, dass nicht mehr genügend miRNAs vorhanden sind, um die Bildung der Eiweiße zu unterdrücken: Das Virus wacht auf. Cullen und seine Mitarbeiter arbeiten laut einer Pressemitteilung der Duke University Medical School zusammen mit der Pharmaindustrie bereits an der Entwicklung eines Medikaments, dass die microRNAs abfängt und so den Schlummerzustand aufhebt. Im Prinzip sei es möglich, die Viren zu aktivieren und dann abzutöten, so Bryan Cullen. "Damit wäre die infizierte Person vollständig geheilt und würde nie wieder einen Lippenherpes bekommen."

Abstract der Studie auf der Internetseite von Nature

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