Ärzte Zeitung online, 26.08.2010

Herpestherapie bei Schwangeren ist sicher

Fehlbildungsrate unter systemischer Gabe antiviraler Substanzen nicht erhöht

KOPENHAGEN (hub). Werden Frauen unter Therapie mit Aciclovir schwanger, müssen sie sich keine Sorgen um den Nachwuchs machen. Die Fehlbildungsrate ist nicht erhöht.

Herpestherapie Schwangerer ist sicher

Schwanger und eine Herpesinfektion? Keine Sorge bei der Therapie mit Polymerasehemmern.

© Z. Nyulaszi / fotolia.com

Bei Infektionen mit Herpes simplex oder Herpes zoster werden häufig Polymerasehemmer eingesetzt - meist Aciclovir, aber auch Valaciclovir und Famciclovir. Erfolgt die Therapie mit diesen Substanzen während einer Empfängnis, haben Forscher aus Dänemark jetzt Entwarnung gegeben.

In einer Studie haben die Forscher gezeigt, dass bei Frauen mit Polymerasehemmer-Therapie im ersten Trimester die Fehlbildungsrate des Nachwuchses nicht höher ist als in einer Kontrollgruppe ohne solche Therapie (JAMA 2010; 304: 859). Dabei ging es ausschließlich um die orale Gabe dieser Arzneien.

Ausgewertet wurden rund 840 000 Schwangerschaften einer dänischen Kohortenstudie von 1996 bis 2008. Darunter waren 1800 Schwangere mit Polymerasehemmer-Exposition im ersten Trimester. Die Fehlbildungsraten lagen bei 2,2 Prozent versus 2,4 Prozent und in absoluten Zahlen bei 40 versus knapp 20 000.

Auch wenn die antiviralen Substanzen einzeln betrachtet wurden, gab es keine Risikosignale. Die Fehlbildungsraten lagen für Aciclovir bei 2 Prozent (32 von 1561) und Valaciclovir bei 7 von 229 (3,1 Prozent). Der Gebrauch von Famciclovir war selten und betraf nur 26 Schwangere. Hier kam ein Kind mit Fehlbildungen zur Welt (3,8 Prozent).

Dr. Björn Pasternak und sein Kollege Dr. Anders Hviid aus Kopenhagen haben zudem 13 unterschiedliche Gruppen von angeborenen Fehlbildungen untersucht, darunter etwa Kiefer-Gaumen-Spalten, Fehlbildungen des Herzens, des Nervensystems oder des Verdauungstraktes. Hier wurde ebenfalls keine Beziehung zur Einnahme der antiviralen Substanzen gefunden. Allerdings war die Fallzahl jeweils sehr gering.

Diese Ergebnisse haben unmittelbare klinische Konsequenzen, schreiben die beiden Autoren. Denn die Daten können bei der Entscheidung helfen, ob eine antivirale Therapie bei Herpes-Infektionen von Schwangeren im ersten Trimester erfolgen soll oder nicht.

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