Ärzte Zeitung, 28.04.2004

Impfen hat Hepatitis B bei Kindern stark zurückgedrängt

Kombinationsimpfstoffe tragen in Deutschland zu guten Impfraten bei / Spezialisten warnen jedoch vor nachlassendem Impfschutz

RIXENSART (ner). Es lohnt sich, Patienten umfassend zu impfen. So ist in Deutschland durch Impfungen die Inzidenz von Hepatitis B bei Kindern seit 1995 fast halbiert worden. Die hierfür nötigen Impfraten werden vor allem durch Kombinationsimpfstoffe erzielt. Daß bei nachlassendem Impfschutz Krankheitsausbrüche zu erwarten sind, belegt das Beispiel Pertussis in Japan.

Modell von Hepatitis-B-Viren. Foto: GSK

Ein aktuelles Beispiel für die Wirksamkeit von Impfungen ist der Rückgang der Hepatitis-B-Inzidenz in Deutschland. Seit 1995 empfiehlt die Ständige Impfkommission (STIKO), alle Säuglinge gegen das Virus zu immunisieren.

Die Inzidenz bei Kindern von fünf bis 14 Jahren sei seither von 4,4 pro 100 000 auf 2,5 pro 100 000 fast halbiert worden, hat Dr. Hugues Bogaerts, Vizepräsident des Unternehmens GlaxoSmithKline Biologicals in Rixensart in Belgien berichtet. Bei jüngeren Kindern sei die Inzidenz von 4,2 auf 1,2 pro 100 000 zurückgegangen.

Viele Impfungen mit vielen Injektionen werden in der Bevölkerung jedoch erfahrungsgemäß schlecht akzeptiert. Daher setzen Spezialisten vor allem auf moderne Kombinationsimpfstoffe wie Infanrix®. Die ursprüngliche Diphtherie-Tetanus-Pertussis-Kombivakzine mit azellulärer Pertussiskomponente (DTPa) sei bislang weltweit mehr als 120 Millionen Mal verwendet worden, hieß es bei einer Veranstaltung des Unternehmens.

Seit einigen Jahren gibt es auch eine hexavalente Version des Impfstoffs (Infanrix® hexa), was den Impfplan stark vereinfacht hat. Der Impfstoff hat sich nach Angaben von Bogaerts in Studien als mindestens ebenso wirksam erwiesen wie sechs einzelne Impfungen zur Grundimmunisierung.

"Impfungen sind Opfer ihres eigenen Erfolges", warnt Bogaerts jedoch. Die früher bestehende große Furcht vor Infektionskrankheiten wie Poliomyelitis sei weitgehend vergessen. Dagegen träten Diskussionen um seltene impfbedingte Komplikationen in den Vordergrund.

So sei in Japan Anfang der 70er Jahre durch Impfungen die Pertussis-Inzidenz auf etwa 200 Erkrankungen jährlich zurückgegangen. Der damals verwendete Dreifachimpfstoff DTP mit zellulärer Pertussis-Komponente hatte jedoch gelegentlich zu schwereren Impfreaktionen geführt.

Die Impfungen wurden deshalb weitgehend eingestellt. Danach wurden in dem Land wieder jährlich 10 000 Keuchhusten-Patienten registriert und damit so viele Infizierte und Gestorbene wie Anfang der 50er Jahre.

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