Ärzte Zeitung, 17.05.2005

KOMMENTAR

Gefährliche Impfmüdigkeit

Von Thomas Müller

Wer wissen will, was passieren kann, wenn die Impfraten gegen Masern, Mumps und Röteln (MMR) sinken, der sollte jetzt nach Großbritannien schauen: Dort steigt die Zahl der Mumps-Erkrankungen seit zwei Jahren exponentiell - in diesem Jahr werden wohl mehrere zehntausend Menschen Mumps bekommen. Es erkranken überwiegend junge Erwachsene, die bei der Einführung der MMR-Impfung als zu alt galten und in der Kindheit keinen Kontakt mit dem Virus hatten.

Doch ist ein solcher Ausbruch nur möglich, wenn weniger als 90 Prozent der Bevölkerung immun sind - also wenn immer weniger Kinder geimpft werden. Die MMR-Impfraten von Kindern sanken seit 1995 in Großbritannien beharrlich, und sie sinken auch in Deutschland: In einigen Bundesländer erhalten nur noch 70 Prozent der Kinder eine zweite MMR-Impfung, und 2004 lag die Zahl verkaufter MMR-Impfdosen 20 Prozent niedriger als 2003.

Ein möglicher Grund für die Impfmüdigkeit: Berichte, nach denen die MMR-Impfung Autismus, Epilepsie oder M. Crohn auslösen kann. Doch fast jeden Monat gibt es neue Studien, die das widerlegen. Eine davon erschien jetzt im British Medical Journal - direkt neben den neuen Mumps-Horrorzahlen.

Lesen Sie dazu auch:
Mumps-Zahlen in Großbritannien steigen drastisch

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