Ärzte Zeitung, 03.11.2006

Impfung gegen Influenza kann Herzkranken das Leben retten

Infektion mit Influenza-Viren triggert ein akutes Koronarsyndrom

NEU-ISENBURG (hub). Deutsche Herzspezialisten empfehlen die Grippe-Impfung für Herzkranke. Und US-Kardiologen stellen die Impfung auf die gleiche Stufe wie Antihypertensiva und Blutfettsenker zur Sekundärprävention kardiovaskulärer Erkrankungen. Denn die Grippe-Impfung kann vor Herztod schützen.

Eine Kollegin impft eine Patientin gegen Grippe in den M. deltoides. Foto: dpa

"Ohne jeden Zweifel sollen Patienten mit kardiovaskulären Erkrankungen gegen Influenza geimpft werden", sagte Privatdozent Ulrich Laufs, Kardiologe am Uniklinikum Homburg / Saar zur "Ärzte Zeitung".

Darüber gebe es in der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie keinerlei Dissens. Unterstützt werden die Deutschen Kardiologen von der American Heart Association und dem American Congress of Cardiology. Beide Organisationen empfehlen die Grippe-Impfung als Sekundärprävention gleichberechtigt mit Antihypertensiva und Blutfettsenkern ("Circulation" 114, 2006, 1549). "Dabei ist die Grippe-Impfung die kosteneffektivste Maßnahme", so Laufs.

Basis der Impfempfehlung für Herz-Kreislauf-Patienten sind Studien wie die FLUVACS (FLU Vaccination Acute Coronary Syndromes)-Studie: 301 Patienten nach Herzinfarkt oder Bypass- sowie Stent-Op erhielten zur Standardmedikation eine Grippe-Impfung oder blieben ungeimpft. Nach einem Jahr waren 17 Prozent der ungeimpften Patienten an kardiovaskulären Ereignissen gestorben - in der geimpften Gruppe jedoch nur sechs Prozent.

"Eine Infektion mit Influenza-Viren kann durch sekundäre Effekte - etwa erhöhte Katecholaminspiegel - ein akutes Koronarsyndrom triggern", so Laufs. Auch direkte Wirkungen der Infektion auf das Endothel werden diskutiert. "Die Impfung kann vor diesen Wirkungen der Grippe-Viren schützen und das quasi risikofrei."

Auch die Ständige Impfkommission am Robert-Koch-Institut (RKI) empfiehlt die Grippe-Impfung für Patienten mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen - und zwar altersunabhängig. Impfraten für diese Patienten liegen für Deutschland nicht vor. Nach Angaben des RKI sind jedoch in den alten Bundesländern 34 Prozent der chronisch Kranken unter 60 Jahren gegen Grippe geimpft, in den neuen Ländern 44 Prozent.

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