Ärzte Zeitung, 14.12.2006

Experten erwarten mehr Infekte und mahnen Impfschutz an

Telefon-Umfrage bei 50 Impfexperten / Anteil alter Menschen mit Abwehrschwäche in der Bevölkerung steigt / Rasante Vakzinen-Entwicklung

BERLIN (eis). Deutsche verreisen gern, halten ihre Grenzen offen, und der Anteil alter und damit oft auch abwehrgeschwächter Menschen steigt: Impfexperten rechnen daher mit einer Zunahme von Infektionen. Das hat eine Umfrage des Marktforschungsinstituts GfK Healthcare ergeben. In Deutschland sollte daher der Impfschutz verbessert werden, wurde bei der Vorstellung der Ergebnisse in Berlin betont.

An der Telefon-Umfrage im Auftrag des Verbands Forschender Arzneimittelhersteller (VFA) hatten 50 Impfexperten von Universitäten, Instituten und der Industrie teilgenommen, wie Dr. Michael Bröker von Novartis Behring in Berlin berichtet hat.

Vor allem Influenza (und Vogelgrippe) wird nach Meinung der Befragten in Deutschland künftig verstärkt auftreten. Die Wahrscheinlichkeit für eine Grippe-Pandemie in den nächsten fünf Jahren wird dabei im Durchschnitt auf 29 Prozent geschätzt.

Weitere Krankheiten mit zunehmender Prävalenz sind nach Ansicht der Forscher HIV, Tuberkulose, Masern, Malaria und FSME. Hierzu werden verschiedene Ursachen angegeben:

  • das Bewußtsein für Vorsorge läßt nach (HIV),
  • die Impfraten reichen nicht aus (Masern, Influenza, Hepatitis B),
  • wärmeres Klima fördert verstärkt die Zecken-Aktivität (FSME).

Wegen unzureichender Impfraten in Deutschland wird das Ziel der WHO, bis 2010 die Masern in Europa zu eliminieren, verfehlt werden. Das meinen 94 Prozent der Befragten. "Hier könnte Deutschland von Finnland und Großbritannien lernen", sagte Bröker bei der Pressekonferenz des VFA.

    Forscher bezweifeln, daß in Europa bis 2010 Masern eliminiert werden.
   

In Finnland hätten sich Politiker, Ärzte und Forscher gemeinsam hinter große Impfkampagnen gestellt, die Masern seien dadurch eliminiert worden. In Großbritannien sei man zum Beispiel sehr erfolgreich, weil Ärzte extra honoriert werden, wenn sie für gute Impfraten bei ihren Patienten sorgen.

Biotechnik und die Produktion mit Zellkulturen treiben die Impfstoffentwicklung zur Zeit stark voran. Fortschritte wird es nach Ansicht der Forscher in den nächsten Jahren bei der Prävention von Zervix-Krebs mit HPV-Impfstoffen geben, ebenso mit neuen Impfstoffen gegen Rotaviren, Influenza sowie Meningo- und Pneumokokken.

Binnen zehn Jahren, so glaubt knapp die Hälfte der Befragten, ist aber auch ein HIV-Impfstoff möglich. Zwar erwarten nur wenige eine HIV-Vakzine mit einem zuverlässigen Schutz vor Infektionen, knapp die Hälfte hofft aber auf eine Vakzine, der den Ausbruch von Aids verzögern, den Verlauf mildern kann.

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