Ärzte Zeitung, 19.02.2008

Impfschutz gegen Tetanus ausreichend? Per Schnelltest ist das rasch geklärt!

Viele Patienten kennen Impfstatus nicht / Mit Schnelltest können unnötige Impfungen vermieden werden

FRANKFURT AM MAIN (hbr/eis). Mit einem Schnelltest lässt sich überprüfen, ob ein Impfschutz gegen Tetanus noch ausreicht. Der Check ist besonders hilfreich, wenn bei einem Patienten mit einer Wunde der Immunstatus rasch geklärt werden muss. Die Patienten müssen den Test als IGeL allerdings selbst bezahlen.

 Impfschutz gegen Tetanus ausreichend? Per Schnelltest ist das rasch geklärt!

Wie steht’s um den Tetanusschutz? Nur wenig Blut genügt, um diese Frage in der Praxis rasch zu beantworten.

Fotos: Preventis

Patienten können sich häufig nicht erinnern, ob sie einen ausreichenden Tetanus-Impfschutz haben. Das hat eine belgische Studie bestätigt. Darin wurden 762 Patienten in der Notaufnahme des Universitätshospitals Brüssel nach ihrem Impfstatus befragt. Das Ergebnis war frustrierend: 55 Prozent konnten dazu keine Angaben machen. Nur 23 Prozent hielten sich für geschützt. Mit einem Antikörpertest wurde aber eine Rate von 64 Prozent Geschützter belegt (Eur J Emerg Med 14, 2007, 14).

Ist der Impfstatus unklar, soll gegen Tetanus geimpft werden

Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt zwar, den Tetanus-Schutz bei Erwachsenen nur alle zehn Jahre aufzufrischen. Ist der Impfstatus bei Verletzungen aber unklar, sollte immer geimpft und bei schweren oder verschmutzten Wunden auch zusätzlich mit Immunglobulin behandelt werden.

 Impfschutz gegen Tetanus ausreichend? Per Schnelltest ist das rasch geklärt!

Fotos: Preventis

Fehlerhafte Aussagen zur Tetanusimpfung können deshalb dazu führen, dass Verletzte mit noch genügender Prophylaxe unnötig geimpft und mit Immunglobulinen therapiert werden. Bei Impfungen im Abstand von weniger als fünf Jahren ist dabei nach Angaben des Robert Koch Instituts (RKI) verstärkt mit Impfreaktionen wie Schmerzen, Schwellung, Rötung oder Verhärtung an der Injektionsstelle zu rechnen. Möglich ist auch ein Anstieg der Körpertemperatur. Das kann die Akzeptanz für spätere Impfungen reduzieren.

Französische Forscher haben daher geprüft, ob der Tetanus-Schnelltest Verletzten Vorteile bringt (Clin Diagn Lab Immunol 12, 2005, 1057). 985 Patienten in Notaufnahmen von 30 Kliniken nahmen daran teil. Die Probanden wurden nach dem aktuellen Tetanus-Schutz befragt und danach behandelt.

Der Impfstatus wurde aber zusätzlich mit einem Test (Prevent ID® Tetanus) überprüft. Dafür wird ein Tropfen Blut aus der Fingerbeere mit drei Tropfen Verdünnungspuffer auf einen Testträger gegeben. Mit dem Test werden Antikörper gegen Tetanustoxin ab 0,1 IE/ml im Serum und ab 0,2 IE/ml im Vollblut nachgewiesen. Bereits eine zehnmal niedrigere Konzentration gilt als ausreichender Schutz.

In der Studie wurden die Resultate mit Ergebnissen eines ELISA-Tests im Labor verglichen. Ergebnis: Die Angaben der Patienten zum Impfstatus waren am unzuverlässigsten und wurden durch die Ergebnisse des Schnelltests verbessert. Allerdings war der ELISA noch erheblich präziser. So gaben 575 der Patienten richtig an, komplett geimpft zu sein, mit dem Schnelltest wurden 644 als vollständig geschützt ermittelt, im Vergleich zu 800 mit dem ELISA.

Unnötige Immunglobulingabe kann vermieden werden

Insgesamt wurden in der Studie 120 Patienten unnötig mit Immunglobulinen behandelt. Wäre aufgrund des Schnelltests entschieden worden, hätten sich 23 Therapien mit Immunglobulinen vermeiden lassen. Acht Patienten ohne Impfschutz wurden in der Studie nicht behandelt. Diese Patienten waren mit dem Schnelltest richtig als ungeschützt erkannt worden.

Der Test selbst kostet 9,80 Euro plus Mehrwertsteuer. Er kann als IGeL (GOÄ-Ziffer 4291, 20,40 Euro einfach) abgerechnet werden.

Wundstarrkrampf

Tetanus wird durch das Neurotoxin Tetanospasmin des grampositiven Stäbchenbakteriums Clostridium tetani verursacht. Beim generalisierten Tetanus - der häufigsten Form - kommt es zu Kieferklemme (Trismus) mit dem typischem Gesichtsausdruck (Risus sardonicus), sensorisch ausgelösten Muskelspasmen und Atemlähmung.

Weltweit sterben nach Schätzungen der WHO jedes Jahr über eine Million Menschen an Tetanus, wobei die Industriestaaten dank regelhafter Prophylaxe wenig betroffen sind: Laut Robert-Koch-Institut wurden in Deutschland in den Jahren vor 2004 weniger als 15 Tetanusfälle pro Jahr bekannt. Genaue epidemiologische Daten fehlen. (hbr)

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