Ärzte Zeitung, 05.03.2008

Zuckerwasser bewirkt bei Impfungen wahre Wunder

Studie belegt deutlichen schmerzstillenden Effekt, auch bei mehreren Injektionen

PENN STATE (hub). Mit einer einfachen Zuckerlösung kann Säuglingen der Schmerz beim Impfen genommen werden. Das klappt sogar, wenn nacheinander drei Injektionen erfolgen.

 Zuckerwasser bewirkt bei Impfungen wahre Wunder

Misstrauisch wartet dieser Säugling bei einer Impfung, was mit ihm passiert.

Foto: GSK

Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie mit 83 Kindern im Alter von zwei und vier Monaten (Pediatrics 121, 2008, 327). Alle wurden dreimal geimpft: mit einem Fünffach-Impfstoff, drei Minuten später gegen Hib, nach weiteren zwei Minuten gegen Pneumokokken. Je eine Hälfte erhielt vor der Impfserie eine 23-prozentige Zuckerlösung (Saccharose), die andere Hälfte Wasser als Placebo.

Alle Impflinge bekamen zusätzlich ihren gewohnten Schnuller. In der Gruppe mit Zuckerlösung waren die Schmerzen nach jeder Injektion geringer als in der Placebo-Gruppe. Beurteilt wurden die Schmerzen anhand etwa des Schreiens, der Mimik und des Strampelns - auf einer Skala von insgesamt 0 bis 5 Punkten. Die stärksten Schmerzreaktionen gab es - wie zu erwarten - nach der dritten Impfung. Der Wert mit Placebo lag bei 4,8 und mit Zucker bei 3,8 Punkten.

Zwei Minuten nach Ende der Impfserie waren die Schmerzreaktionen in der Zucker-Gruppe auf 0,6 Punkte gesunken, also fast verschwunden. In der Placebo-Gruppe lag der Wert noch bei 2,8 Punkten. Das bedeutet 80 Prozent weniger Schmerz durch die Zuckerlösung, im Vergleich zum Mittel bei Placebo.

Warum der Zucker analgetisch wirkt, erklären die US-Autoren nicht. Bekannt ist jedoch, dass Zucker in das Belohnungssystem des Gehirns eingreift, indem es die Dopaminsynthese fördert. Die Kollegen raten, zusätzlich zur Zuckerlösung, auch die bewährten Maßnahmen beim Impfen anzuwenden oder durch ein Elternteil anwenden zu lassen: eng halten, streicheln und ablenken.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Resistente Keime bedrohen Fortschritte aus Jahrzehnten

Jeder vierte Todesfall durch Antibiotika-resistente Keime weltweit wird durch Tuberkulose (TB) bedingt. Um die Situation zu verbessern, reichen neue Arzneien aber nicht aus, betonen TB-Experten. mehr »

Regelmäßiges Frühstück ist offenbar gut fürs Herz

Wer regelmäßig frühstückt, beugt damit offenbar kardiovaskulären Erkrankungen vor, berichtet die American Heart Association (AHA). mehr »

Sperma-Check per Smartphone-App

Millionen von Paaren weltweit wollen ein Kind, doch es klappt nicht. Die Ursachen liegen in etwa der Hälfte der Fälle beim Mann. Ein einfacher Test könnte Männern künftig die Untersuchung ihres Spermas erleichtern. mehr »